Geopolitische Schocks treffen fragile Volkswirtschaften härter
Ein neues Modell der EZB zeigt, dass geopolitische Schocks die Verteilung von Stagflationsrisiken je nach wirtschaftlicher Ausgangslage stark unterschiedlich verschieben. Ein Schock von der Größenordnung des Jahres 2022 erzeugt unter stabileren Makrodaten deutlich geringere Extremrisiken.
Der Zustand bestimmt das Extremrisiko
Ökonom Maximilian Schröder vergleicht die makroökonomischen Effekte geopolitischer Schocks im Euroraum und den USA zu zwei Zeitpunkten: Januar 2022 vor dem Einmarsch in die Ukraine und Dezember 2025 vor der Eskalation im Nahen Osten.
Das Ergebnis: Derselbe geopolitische Schock erhöht das Stagflationsrisiko, definiert als Inflation über 2,0 Prozent bei schrumpfender Industrieproduktion, im Umfeld von Ende 2025 wesentlich schwächer als 2022.
Während 2022 die Kombination aus hoher Vorinflation und Lieferkettenproblemen die Wahrscheinlichkeit extremer Negativszenarien dauerhaft in die Höhe trieb, fing die robustere Ausgangslage 2025 den Schock besser ab.
Auch die Industrieproduktion brach im Euroraum 2022 deutlich anhaltender ein als in den USA.
Dichteprognosen statt Punktschätzungen
Methodisch kombiniert das Papier ein zustandsabhängiges Mixture-VAR mit endogenen Übergangswahrscheinlichkeiten und heteroskedastischer Schockidentifikation.
Ergänzt durch Vorzeichen- und narrative Restriktionen – etwa zur Lehman-Pleite 2008 und den Terroranschlägen von 2001 – bildet das Modell ab, wie Schocks nicht nur den Mittelwert, sondern die gesamte Dichteverteilung künftiger Makrodaten verändern.
Dadurch lässt sich quantifizieren, wie stark ein Impuls das Eintreten von Hochvolatilitätsregimen begünstigt.
Historische Schablonen greifen zu kurz
Zentralbanken dürfen historische Krisen nicht länger als starre Schablonen für aktuelle Schocks verwenden.
Die Studie entlarvt reine Punktprognosen als unzureichend für geldpolitische Entscheidungen in volatilen Zeiten.
Wer die makroökonomische Ausgangslage ignoriert, überschätzt akute Risiken und riskiert folgenschwere Fehlsteuerungen.