MuSE-Simulationsmodell berechnet Tausende Stressszenarien
Ein neues ökonometrisches Modell namens MuSE kombiniert hochfrequente Finanzdaten mit Makromodellen, um tausende Krisenszenarien für den Euroraum zu simulieren. Die Methodik erlaubt Aufsichtsbehörden eine präzisere Messung von Kapitalverlusten im Bankensektor.
Drei Bausteine für die makrofinanzielle Simulation
Das Framework namens MuSE stützt sich auf drei Kernkomponenten: einen Finanzschock-Simulator (FSS), einen daraus abgeleiteten Finanzstressindex (FSI) sowie ein Multiländer-Bayes'sches Vektorautoregressionsmodell (BVAR).
Der FSS nutzt eine nicht-parametrische Kopula auf Basis täglicher Daten, um extreme Ausschläge bei zehn Finanzindikatoren zu bootstrappen.
Der FSI verdichtet diese Signale für den Euroraum sowie die vier größten Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.
Anschließend überträgt das BVAR-Modell die einjährigen Finanzschocks auf einen Drei-Jahres-Horizont für zahlreiche Makrovariablen.
Dadurch entstehen konsistente Pfade für BIP, Inflation und Immobilienpreise ohne stochastische Beliebigkeit.
Aktien- und Staatsanleihenschocks treffen Banken am härtesten
Die Autoren wenden MuSE auf historische Krisenphasen wie die Finanzkrise 2008, die Euro-Schuldenkrise 2011, den Geopolitik-Schock 2022 und die französischen Anleihemarkt-Turbulenzen 2024/2025 an.
In Kombination mit einem Top-down-Stresstestmodell zeigt sich: Szenarien mit schweren Einbrüchen an den Aktienmärkten sowie drastischen Renditeaufschlägen bei Staatsanleihen verringern die harte Kernkapitalquote (CET1) der Euroraum-Banken am stärksten.
Globale Systemrelevanz- und Investmentbanken reagieren besonders sensibel auf Marktschocks von 2008.
Ein notwendiger Schritt weg von starren Einzelszenarien
Das Tool überwindet die Schwäche starrer Einzelszenarien in bisherigen Aufsichtstests.
Die dynamische Kopplung von Finanzmärkten und Makrodaten legt verdeckte Ansteckungsrisiken im Bankensektor offen.
Damit erhält die makroprudenzielle Politik ein wirksames Instrument zur Kalibrierung realistischer Kapitalpuffer.