Jobsuche aus Angst dominiert in Europa, Gehalt in den USA
ECB Paper

Jobsuche aus Angst dominiert in Europa, Gehalt in den USA

Eine Studie der EZB zeigt deutliche Unterschiede bei Jobwechseln: Während US-Arbeitnehmer primär für höhere Gehälter suchen, treibt Beschäftigte in Europa vor allem die Sorge vor Jobverlust an. In beiden Regionen suchen über 60 Prozent aller Arbeitsuchenden aus einer Anstellung heraus.

Vorsorge schlägt Aufstieg

In Europa suchen 13 Prozent der Beschäftigten aktiv nach einer neuen Stelle, in den USA liegt der Anteil bei 19 Prozent.

Da Beschäftigte die Mehrheit der Erwerbspersonen stellen, machen sie über 60 Prozent aller Jobsuchenden aus.

Wer aus einer Anstellung heraus sucht, wechselt etwa sechsmal häufiger den Arbeitgeber als Nicht-Suchende.

Die Triebfedern unterscheiden sich jedoch drastisch: In den USA dominiert der Wunsch nach höherem Gehalt, der die Suchneigung dreimal stärker beeinflusst als Jobsorgen.

In Europa kehrt sich das Muster um.

Hier wirkt die Sorge vor einem Arbeitsplatzverlust anderthalbmal so stark wie die Gehaltsunzufriedenheit.

Ursache sind starre Arbeitsmärkte und längere Phasen der Arbeitslosigkeit.

Suchdauer endet nicht beim Wechsel

Die Studie belegt zudem eine hohe Hartnäckigkeit des Suchverhaltens.

Von den Beschäftigten, die nach Arbeit suchten und bei ihrem Arbeitgeber blieben, setzen 50 bis 60 Prozent die Suche im Folgequartal fort.

Selbst nach einem erfolgreichen Stellenwechsel suchen rund 40 Prozent direkt weiter nach neuen Angeboten.

Die erzielten Ergebnisse spiegeln die regionalen Motive wider: In den USA führt die Wechselaktivität vor allem zu höherer Gehaltszufriedenheit, während Arbeitnehmer in Europa in erster Linie ihr subjektives Arbeitsplatzrisiko senken.

Symptom ökonomischer Sklerose

Die Befunde offenbaren die tiefe strukturelle Kluft zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Arbeitsmarkt.

Dass Europäer vor allem aus Angst vor Arbeitslosigkeit suchen, offenbart eine geringe Dynamik und mangelnde Aufstiegschancen.

Für die Geldpolitik ist diese Erkenntnis zentral, da defensiv motivierte Jobwechsel kaum Lohndruck erzeugen.