Zentralisierte Aufsicht drückt immaterielle Firmeninvestitionen
Die Einführung der europäischen Bankenaufsicht SSM im Jahr 2014 verringerte den Anteil immaterieller Vermögenswerte bei Kreditnehmern direkt beaufsichtigter Banken um mindestens 2,7 Prozent. Dies belegt eine Analyse von Miguel Ampudia, Thorsten Beck und Alexander Popov.
Sicherheiten verdrängen Forschungsausgaben
Die Ökonomen analysieren 121.394 Unternehmen und 1.839 Banken in zwölf Euroraum-Ländern von 2009 bis 2018.
Firmen, die Kredite von direkt durch die EZB beaufsichtigten Instituten beziehen, schichteten ihre Bilanzen nachweislich von immateriellen zu materiellen Vermögenswerten um.
Der Anteil immaterieller Aktiva sank um mindestens 2,7 Prozent.
Dieser Effekt trat sowohl während des Comprehensive Assessment 2013 bis 2014 als auch in der SSM-Phase von 2015 bis 2018 auf.
Besonders stark betroffen sind kleine und junge Unternehmen sowie forschungsintensive Industriezweige.
Bei diesen sank der F&E-Aufwand nach 2014 spürbar: Sektoren mit hoher Exposition gegenüber Großbanken verzeichneten einen um 3,5 Prozent stärkeren Rückgang bei den Forschungs- und Entwicklungsausgaben.
Härtere Besicherungsvorgaben treffen Software und Patente
Die Ursachen liegen im veränderten Vergabeverhalten der Banken.
Nach der Übernahme durch die EZB drosselten bedeutende Institute ihre Unternehmenskredite kurzfristig.
Zugleich stiegen die Besicherungsanforderungen: Die Wahrscheinlichkeit härterer Kreditsicherheiten kletterte laut SAFE-Unternehmensbefragung um 2,9 bis 4,6 Prozentpunkte.
Da Sachanlagen wie Maschinen und Immobilien als Kreditsicherheit fungieren können, Patente und Software hingegen schwer liquidierbar sind, verlagerten kreditnehmende Firmen ihre Investitionen gezielt in physische Sachwerte.
Stabilität hemmt Zukunft
Die Arbeit entlarvt einen heiklen Zielkonflikt zwischen Finanzstabilität und Zukunftsinvestitionen.
Strenge Besicherungsregeln drängen innovative Jungunternehmen zurück in anlageintensive Industriemuster.
Europas Aufsichtsarchitektur sichert zwar Banken ab, hemmt aber die produktivsten Wachstumstreiber.
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