Lane hält an Mittelweg fest nach Anhebung auf 2,50 Prozent
EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane verteidigt die Anhebung des Leitzinses auf 2,50 Prozent und schließt eine Festlegung für künftige Zinsschritte aus. Die Geldpolitik verbleibe trotz einer zweiten Welle des Energieschocks auf einem datenabhängigen Mittelweg.
Zweite Energiewelle treibt Teuerung auf 3,8 Prozent
Die Gesamtinflation im Euroraum stieg im September auf 3,8 Prozent, getrieben von einer Energieinflation von 18,8 Prozent, während die Nicht-Energie-Inflation bei 2,3 Prozent verharrte.
Vor diesem Hintergrund bezeichnete EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane die Zinsanhebungen von 2,00 auf 2,50 Prozent im Juni und September als umsichtig.
Die EZB befinde sich auf einem „Mittelweg“ und reagiere ohne Vorab-Festlegung von Sitzung zu Sitzung auf neue Daten.
Nach einem bereinigten BIP-Wachstum von 0,3 Prozent im zweiten Quartal stelle eine zweite Welle höherer Öl- und Gaspreise seit Juli jedoch Aufwärtsrisiken für die Preise und Abwärtsrisiken für die Konjunktur dar.
Für 2027 erwartet die Notenbank eine verzögerte Weitergabe der Energiekosten auf die Nicht-Energie-Preise von 2,6 Prozent.
Fiskalische Wende und globale Zinslast durch KI
Neben der Energie prägen Fiskalpolitik und Technologie die Rahmenbedingungen.
Der expansive Impuls von 0,5 Prozentpunkten im Jahr 2026 – gestützt durch deutsche Rüstungs- und Infrastrukturprogramme sowie NextGenerationEU – schlägt 2027 und 2028 in eine Konsolidierung von 0,4 und 0,2 Prozentpunkten um.
Zugleich treibt der weltweite KI-Investitionsboom zwar europäische Digitalexporte und Unternehmensausgaben, lässt aber über steigende Renditen für langfristige Anleihen auch die Finanzierungskonditionen spürbar anziehen.
Mittelweg auf schwankendem Grund
Lanes Analyse rechtfertigt die Zinsschritte stringent, unterschätzt jedoch die realwirtschaftlichen Risiken.
Das Auslaufen der Fiskalhilfen bei gleichzeitig steigenden globalen Renditen erhöht den Druck auf den Euroraum spürbar.
Der postulierte Mittelweg droht so schnell zum riskanten Balanceakt zu werden.