Lane warnt vor steigenden globalen Langfristzinsen
EZB-Direktor Philip R. Lane sieht in den steigenden US-Langfristzinsen und dem jüngsten Energieschock maßgebliche Faktoren für die europäische Geldpolitik. Höhere Marktzinsen dämpften die Konjunktur und den Inflationsdruck eigenständig, erklärte Lane in einem Interview.
US-Investitionsboom treibt europäische Renditen
EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane verweist auf den massiven Anleihebedarf US-amerikanischer Technologiekonzerne zur Finanzierung von Künstlicher Intelligenz als Treiber globaler Langfristrenditen.
Dieser Anstieg übertrage sich direkt auf europäische Staatsanleihen.
Zugleich belaste die erneute Unsicherheit im Nahen Osten die Energiepreise, wenngleich Zweitrundeneffekte bislang moderat blieben.
Für die Geldpolitik der EZB spiele die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen eine zentrale Rolle: Höhere langfristige Marktzinsen bremsen die Wirtschaftsaktivität und verringern den Preisdruck eigenständig.
Lane betonte, dass der EZB-Rat diesen Transmissionskanal bei künftigen Zinsentscheidungen neben den laufenden Inflationsdaten umfassend berücksichtigen werde.
Auslaufender Fiskalimpuls und Reformdruck
Fiskalpolitisch rechnet die EZB ab 2027 mit spürbarem Gegenwind für den Euroraum.
Während das deutsche Infrastruktur- und Verteidigungspaket sowie das 2026 auslaufende NGEU-Programm die Konjunktur stützen, verlangt Lane von den Regierungen Realismus bei der Budgetplanung.
Angesichts einer Teuerungsrate von 4,1 Prozent in Italien mahnte er gezielte Hilfen für Einkommensschwache statt breiter Ausgabenprogramme an.
Bei dauerhaft höheren Refinanzierungskosten seien Strukturreformen entlang der Pläne von Mario Draghi und Enrico Letta unumgänglich.
Renditedruck ersetzt Zinserhöhung
Lanes Fokus auf globale Renditen zeigt: Der Markt übernimmt die geldpolitische Bremsarbeit teils selbst.
Für hochverschuldete Länder wie Italien wird dieser Zinsanstieg zur akuten Belastungsprobe.
Die Notenbank gewinnt Spielraum, verlagert den Druck aber direkt auf die Fiskalpolitik.
Quelle: Philip R. Lane: Interview with Ansa
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