Lane sieht Inflation erst Mitte 2027 am Ziel
ECB Rede

Lane sieht Inflation erst Mitte 2027 am Ziel

EZB-Direktor Philip R. Lane rechnet wegen einer zweiten Energiepreiswelle mit anhaltendem Inflationsdruck. Die Teuerung im Euroraum werde erst ab Mitte 2027 wieder zum Zwei-Prozent-Ziel zurückkehren, erklärte Lane im Interview mit der Zeitung Le Temps.

Zweite Welle verschiebt das Zieldatum

Nach einem ersten Preisschub im Frühjahr und vorübergehender Entspannung im Sommer treibt der Nahost-Konflikt die Öl- und Gaspreise erneut an.

EZB-Direktor Philip R. Lane betonte, dass der Energieschock länger anhalten werde als noch im März kalkuliert.

Infolgedessen werde die Teuerung länger erhöht bleiben und erst ab Mitte 2027 zum Zielwert zurückkehren.

Während der Preisdruck bei Dienstleistungen begrenzt bleibe, erfassen die Zweitrundeneffekte Nahrungsmittel, Strom und Industriegüter.

„Wir sehen jetzt eine zweite Welle von Preissteigerungen“, sagte Lane.

Trotz der Belastungen bleibe das Basisszenario der Notenbank ein stetiges, wenngleich moderates Wirtschaftswachstum für das laufende Jahr.

Fiskalstützen und KI-Hoffnung

Stützend wirken staatliche Ausgabenprogramme wie das deutsche Infrastruktur- und Rüstungspaket sowie die Mittel aus Next Generation EU.

Laut Lane verfügt Deutschland über den nötigen fiskalischen Spielraum, wenngleich diese Impulse mit der Zeit abklingen werden.

Zusätzliche Produktivitätsimpulse erwartet die EZB langfristig durch künstliche Intelligenz, an der auch europäische Unternehmen partizipieren.

Die Terminmärkte für Gas und Öl deuten derweil auf eine Entspannung gegen Jahresende hin.

Geduldspiel mit geopolitischem Risiko

Die Verschiebung des Zieldatums auf Mitte 2027 entlarvt die Hilflosigkeit gegenüber externen Preisschocks.

Wer seine Prognosen an volatile Rohstoffmärkte bindet, riskiert den nächsten Glaubwürdigkeitsverlust.

Für die Märkte schließt sich damit das Fenster für rasche Zinssenkungen endgültig.

Quelle: Philip R. Lane: Interview with Le Temps

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