Cipollone treibt DLT-Abwicklung in Zentralbankgeld voran
ECB Speech

Cipollone treibt DLT-Abwicklung in Zentralbankgeld voran

Mit den Projekten Pontes und Appia überführt das Eurosystem tokenisierte Finanzmärkte in den Regelbetrieb. Noch 2026 startet die DLT-Abwicklung in Zentralbankgeld, wie EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone am 26. August 2026 in Frankfurt ankündigte.

Pontes schlägt die Brücke zu TARGET Services

Mit dem Projekt Pontes verbindet das Eurosystem private DLT-Plattformen direkt mit den TARGET-Services.

Die Barabwicklung erfolgt endgültig in Zentralbankgeld, wodurch Lieferungen Zug um Zug atomar und ohne Gegenparteirisiko ausgeführt werden.

Der Dienst startet 2026 mit einmaligen Onboarding-Gebühren.

Die Betriebszeiten werden schrittweise auf 22,5 Stunden pro Geschäftstag und bis Mitte 2028 auf einen 24/7-Betrieb mit Multi-Währungs-Fähigkeit ausgeweitet.

Pontes baut auf Versuchen von 2024 auf, als 64 Marktteilnehmer über 50 Tests absolvierten.

Zentralbankgeld sei laut Cipollone „eine der Bedingungen, damit sich tokenisierte Finanzen sicher und in großem Maßstab entwickeln können“.

31 Zentralverwahrer und fünfmal mehr Tokens

Der europäische Kapitalmarkt leidet unter starker Zersplitterung: 31 Zentralverwahrer, 14 zentrale Gegenparteien und 323 Handelsplätze existieren nebeneinander.

Über 95 Prozent aller Transaktionen verbleiben innerhalb desselben Verwahrers.

Gleichzeitig zieht das Tempo global an: Das Volumen tokenisierter traditioneller Vermögenswerte auf öffentlichen Blockchains verfünffachte sich von 4,7 Mrd. Euro Anfang 2025 auf 23,3 Mrd. Euro Anfang 2026.

Das Projekt Appia soll bis 2028 den einheitlichen Rechts- und Architekturrahmen liefern.

Technologie heilt kein fragmentiertes Recht

Die EZB setzt mit Pontes die richtigen Hebel an, um im digitalen Zahlungsverkehr nicht den Anschluss zu verlieren.

Doch moderne DLT-Brücken nützen wenig, wenn 27 nationale Regime die Kapitalmarktunion weiter blockieren.

Ohne echte Rechtsharmonisierung droht auch dieses Prestigeprojekt an den alten Grenzen zu scheitern.

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