Cipollone peilt Start des digitalen Euro für 2029 an
ECB Rede

Cipollone peilt Start des digitalen Euro für 2029 an

Der digitale Euro soll bis 2029 eingeführt werden und Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone kündigte in einem Interview erste Praxistests binnen zwölf Monaten an und betonte die Notwendigkeit europäischer Souveränität im Zahlungsverkehr.

Halbierte Gebühren und Offline-Zahlung

Der digitale Euro soll als kostenfreie Ergänzung zu physischen Banknoten fungieren und auch ohne Internetverbindung per Karte oder App nutzbar sein.

Laut Cipollone halbiert die öffentliche Zahlungslösung die Akzeptanzkosten für kleine Händler, die derzeit unter intransparenten Kartengebühren leiden.

Für das im Sommer gestartete Pilotprojekt wählte die Notenbank aus knapp 60 Bewerbungen 36 Teilnehmer aus, darunter die italienischen Anbieter Satispay und Bancomat.

Erste reale Transaktionen sollen in weniger als zwölf Monaten stattfinden.

Das Gesetzgebungsverfahren in Brüssel steht kurz vor dem Abschluss; die EU-Kommission und die Gesetzgeber wollen den Rechtsrahmen bis Jahresende finalisieren.

Geopolitischer Weckruf für Europa

Treiber des Projekts ist das Streben nach strategischer Autonomie infolge veränderter Weltpolitik.

Die Energiekrise nach dem Einmarsch in die Ukraine habe verdeutlicht, wie riskant Abhängigkeiten in Schlüsselbereichen sind.

„Ohne unser eigenes digitales Zahlungssystem sind wir anderen Betreibern ausgeliefert“, warnte Cipollone mit Blick auf internationale Bezahldienste.

Da 80 Prozent der Bürger laut Eurobarometer hinter der Gemeinschaftswährung stehen, soll die europäische Technologieinfrastruktur das Vertrauen in digitaler Form sichern.

Technisch logisch, politisch überfällig

Cipollones Verweis auf Geopolitik trifft den wunden Punkt des europäischen Zahlungsmarkts.

Gegen die US-Dominanz aus Visa und Mastercard hilft nur eine staatlich gestützte Infrastruktur.

Der Erfolg steht und fällt jedoch mit der Bereitschaft des Handels, das System im Alltag mitzutragen.

Quelle: Piero Cipollone: Interview with Corriere della Sera

IN:

Fehler melden