Cipollone sieht geringes Risiko für Stagflation im Euroraum
ECB Speech

Cipollone sieht geringes Risiko für Stagflation im Euroraum

EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone hält das Risiko einer Stagflation im Euroraum trotz geopolitischer Spannungen für gering. In einem Interview betonte er die Notwendigkeit, Binnenmarkthemmnisse abzubauen und die Geldpolitik bei Angebotsschocks präzise zu kalibrieren.

Kalibrierung statt Zinsschock

Gegenüber externen Angebotsschocks wie steigenden Energiepreisen plädiert EZB-Direktor Piero Cipollone für eine präzise Abstimmung der Geldpolitik.

Zinserhöhungen als Reaktion auf angebotsseitige Preistreiber könnten das bereits beeinträchtigte Wirtschaftswachstum zusätzlich schwächen.

Zentralbanken könnten wenig gegen Rohstoffpreise ausrichten, müssten jedoch die mittelfristigen Erwartungen bei zwei Prozent verankern.

Ein Stagflationsszenario wie in den 1970er Jahren stuft Cipollone als unwahrscheinlich ein: Die Konjunktur zeige sich widerstandsfähig und die Teuerung bewege sich im Rahmen der Juni-Projektionen.

„Wir müssen die makroökonomische Lage beobachten, aber derzeit gibt es keine Anzeichen für eine Stagflation“, so Cipollone.

Bin­nen­markt­po­ten­zi­al und digitaler Euro

Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken, fordert Cipollone den Abbau verbliebener Barrieren im Binnenmarkt mit seinen 450 Millionen Konsumenten.

Bestehende Beschränkungen verhinderten Skaleneffekte, die für den globalen Wettbewerb nötig seien.

Beim für 2029 geplanten digitalen Euro wies Cipollone Datenschutzbedenken zurück: Das Eurosystem werde Nutzerdaten weder online noch offline einsehen können.

Die digitale Währung diene als Ergänzung zum Bargeld und biete das maximal mögliche Datenschutzniveau.

Kein Ersatz für echte Reformen

Cipollone benennt die Grenzen der Geldpolitik klar: Gegen Energiepreisschocks und Marktbarrieren helfen keine Leitzinsen.

Sein Plädoyer für Zurückhaltung bei Angebotsschocks soll eine unnötige Dämpfung der Konjunktur verhindern.

Reale Wettbewerbsfähigkeit im Binnenmarkt bleibt die eigentliche Hausaufgabe der europäischen Politik.

Quelle: Piero Cipollone: Interview with ilsussidiario.net

IN:

Fehler melden