Cipollone stellt Fahrplan für digitalen Euro und Pontes vor
EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone hat den Fahrplan für den digitalen Euro präzisiert: Nach einem zwölfmonatigen Pilotprojekt ab Mitte 2027 strebt das Eurosystem eine Erstemission für 2029 an. Zugleich treibt die Notenbank die Großhandels-Plattformen Pontes und Appia voran.
Großversuch mit 36 Dienstleistern ab 2027
Die gesetzlichen Trilog-Verhandlungen sollen nach dem Willen des Europäischen Rates bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Bei erfolgreichem Abschluss plant die EZB eine erste Ausgabe des digitalen Euro für 2029.
Zuvor startet in der zweiten Jahreshälfte 2027 ein einjähriger Pilotbetrieb mit 36 ausgewählten Zahlungsdienstleistern.
Sorgen vor massiven Bankeinlagenabflüssen trat Cipollone mit einer Untersuchung an 2.025 Instituten entgegen: Haltegrenzen von 500 bis 3.000 Euro begrenzen das Abflussrisiko wirksam.
Bei einer Obergrenze von 3.000 Euro sinkt die aggregierte Liquiditätsdeckungsquote der Banken lediglich von 166 auf 163 Prozent.
Zudem prognostiziert die EZB bis 2034 rund 127 Mrd. Euro an Neuzuflüssen.
Pontes bindet DLT-Märkte an Zentralbankgeld
Im Massenzahlungsverkehr laufen zwei Drittel der Kartenzahlungen über internationale Systeme; 13 von 21 Euroländern besitzen kein eigenes System.
Auf Großhandelsmärkten will die EZB eine Fragmentierung tokenisierter Wertpapiere verhindern.
Dazu startete am 21. September 2026 die Plattform Pontes zur DLT-Abwicklung in Zentralbankgeld, deren 24/7-Betrieb bis Mitte 2028 geplant ist.
Ergänzend erarbeitet das Projekt Appia mit einer Kontaktgruppe aus 61 Marktteilnehmern bis 2028 ein europäisches Architekturkonzept.
Später Vorstoß gegen US-Monopole
Die Doppelstrategie aus digitalem Euro und Pontes markiert eine überfällige Abwehr internationaler Abhängigkeiten im Zahlungsverkehr.
Ob das Projekt verfängt, entscheidet sich an der tatsächlichen Akzeptanz von Handel und Geschäftsbanken.
Bis zum Zieljahr 2029 bleibt der Spielraum für Verzögerungen bei Gesetzgebung und Technik minimal.