Optionales EU-Unternehmensrecht soll Firmenwachstum fördern
ECB Studie

Optionales EU-Unternehmensrecht soll Firmenwachstum fördern

Die Europäische Kommission will mit der Rechtsform „EU Inc.“ grenzüberschreitende Investitionen erleichtern und die Zersplitterung in 27 nationale Unternehmensrechte überwinden. Laut einer EZB-Analyse erklärt die geringere Unternehmensgröße ein Drittel der Produktivitätslücke zu den USA.

Gründung in 48 Stunden für 100 Euro

Der Verordnungsvorschlag der Europäischen Kommission führt ein optionales 28. Regime für Kapitalgesellschaften ein.

Eine „EU Inc.“ soll volldigital innerhalb von 48 Stunden bei maximal 100 Euro Verwaltungskosten gegründet werden können, ohne dass Mindestkapital vorgeschrieben ist.

Für Finanzierungsrunden entfällt der Notariatszwang; standardisierte Instrumente wie Wandeldarlehen oder Mitarbeiterbeteiligungsmodelle mit nachgelagerter Besteuerung (EU-ESOP) werden unionsweit anerkannt.

Die Kommission beziffert die administrativen Einsparungen auf 328 bis 440 Millionen Euro bei rund 300.000 adaptierenden Firmen über zehn Jahre.

Zudem sinken die Rechtskosten je Finanzierungsrunde um rund 1.100 Euro, während Sekundärübertragungen um 1.780 bis 2.850 Euro günstiger werden.

Der Delaware-Effekt bremst Europa

Europas Unternehmen leiden an einer strukturellen Wachstumsschwäche.

Zwar liegt die jährliche Gründungsrate in der EU mit rund 10 Prozent auf US-Niveau, doch entfallen über 20 Prozent der EU-Beschäftigung auf Kleinstbetriebe – doppelt so viel wie in den USA.

Großunternehmen erzielen jedoch die doppelte Arbeitsproduktivität.

Mangels integrierter EU-Kapitalmärkte stammt über die Hälfte des Wagniskapitals von Nicht-EU-Investoren.

Viele europäische Start-ups weichen daher in die USA aus: In Delaware sind rund 97 Prozent aller US-Unicorns registriert.

Guter Hebel, halbe Strecke

Das einheitliche Gesellschaftsrecht beseitigt echte Hürden, kuriert Europas Wachstumsschwäche allein aber nicht.

Solange Steuerrecht, Mitbestimmung und Insolvenzregeln fragmentiert bleiben, laufen grenzüberschreitende Vorteile ins Leere.

Die EU Inc. schafft ein überfälliges Vehikel, ersetzt aber keine vollendete Kapitalmarktunion.

Fehler melden