Schwere von Modellmängeln bestimmt Höhe der Kapitalaufschläge
Nicht die Anzahl, sondern die Schwere von Modellmängeln bestimmt die von Aufsichtsbehörden verhängten Kapitalaufschläge für Banken. Eine EZB-Studie zeigt, dass vor allem Mängel bei der Daten-Governance zweistellige Milliardenbeträge an zusätzlichem Risikokapital auslösen.
Qualität schlägt Quantität bei Modellprüfungen
Eine Analyse von 267 internen Modellprüfungen der Europäischen Zentralbank im Zeitraum von 2014 bis 2020 zeigt: Die reine Anzahl aufgedeckter Mängel hat statistisch keinen Einfluss auf die Höhe aufsichtlicher Kapitalaufschläge.
Stattdessen erklären Mängel der höchsten Kategorie (F4) nahezu vollständig, wie viel zusätzliches Eigenkapital Banken vorhalten müssen.
Über den Untersuchungszeitraum summierten sich diese aufsichtlichen Beschränkungen im Euroraum auf einen zweistelligen Milliardenbetrag an hartem Kernkapital (CET1).
Dies übersteigt die im selben Zeitraum verhängten EZB-Sanktionen von 44,3 Millionen Euro um ein Vielfaches.
Für Banken bedeutet dies, dass vereinzelte, aber schwerwiegende Schwachstellen erhebliche finanzielle Belastungen nach sich ziehen.
Schwache Daten-Governance als Hauptursache
Als primärer Übertragungskanal für Modellrisiken erweist sich die Einhaltung regulatorischer Vorgaben zur Daten-Governance gemäß der EU-Kapitaladäquanzverordnung (CRR).
Mängel bei der Datenqualität, fehlerhafte Eingaben oder unvollständige Zeitreihen beeinträchtigen die statistische Prognosekraft interner Ratingsysteme maßgeblich.
Die Aufsicht reagiert auf unzureichende Dateninfrastrukturen mit gezielten Aufschlägen auf die risikogewichteten Aktiva, um eine Unterschätzung von Ausfallrisiken zu verhindern.
Für Aufsichtsbehörden und Banken ergibt sich daraus die Möglichkeit, Ressourcen gezielter einzusetzen.
Fokus aufs Wesentliche statt Erbsenzählerei
Die Ergebnisse entlarven den bisherigen Aufsichtsansatz vieler Prüfer als ineffiziente Erbsenzählerei.
Wer Hunderte kleinerer Modellmängel auflistet, schafft keine Finanzstabilität, sondern belastet Banken und Aufseher mit Bürokratie.
Ein kompromissloser Fokus auf Datenqualität und schwerwiegende Mängel ist längst überfällig, um Ressourcen sinnvoll zu nutzen.