Subjektive Erwartungen zeigen geringere Persistenz von Lohnschocks
ECB Paper

Subjektive Erwartungen zeigen geringere Persistenz von Lohnschocks

Eine neue EZB-Studie nutzt Umfragedaten der NY Fed, um die Dynamik von Einkommen und Beschäftigung neu zu bewerten. Die Ergebnisse zeigen, dass individuelle Produktivitätsschocks weniger persistent sind als bisher angenommen und Einkommensrisiken stark an Arbeitsplatzwechsel gekoppelt sind.

Neue Daten entlarven klassische Messfehler

Die Ökonomen Manuel Arellano, Orazio Attanasio, Margherita Borella, Mariacristina De Nardi und Gonzalo Paz-Pardo nutzen Daten des Survey of Consumer Expectations der New Yorker Fed von 2014 bis 2019.

Durch die Einbeziehung subjektiver Erwartungen zu hypothetischen Stellenangeboten umgeht das Modell den klassischen Auswahlbias.

Die Schätzung ergibt für die Persistenz individueller Produktivitätsschocks einen Wert von 0,511 bei Männern und 0,448 bei Frauen – weit unter früheren Werten von über 0,9. Dagegen erklärt eine stabilere Heterogenität bei Fähigkeiten (0,578) und Arbeitgeber-Match-Qualität einen deutlich größeren Teil der Einkommensunterschiede als bislang angenommen.

Das Phantom der hohen Lohnvolatilität

Modellsimulationen verdeutlichen, dass herkömmliche reduzierte Schätzungen die Persistenz und Volatilität von Produktivitätsschocks überschätzen.

Ursache hierfür sind unberücksichtigte Arbeitsplatzwechsel und Sortierungseffekte am Arbeitsmarkt.

Wird die personenspezifische sowie match-spezifische Heterogenität kontrolliert, sinkt die verbleibende Einkommensvolatilität von durchschnittlich 13 Prozent auf 7,7 Prozent und verläuft nahezu flach über die gesamte Einkommensverteilung.

Das individuelle Einkommensrisiko ist somit primär an Arbeitsplatzwechsel gekoppelt, während es bei Verbleib im selben Unternehmen gering ausfällt.

Präzisere Modelle für die Zinspolitik

Die Studie zeigt den hohen Nutzen subjektiver Erwartungsdaten für makroökonomische Modelle.

Die saubere Trennung von Risiko und Heterogenität ist für die geldpolitische Analyse essenziell.

Zentralbanken sollten ihre Modelle anpassen, um Fehlschlüsse bei Konsumreaktionen zu vermeiden.

Quelle: Subjective earnings and employment dynamics

IN: