EZB-Umfrage: Kreditbedingungen für Unternehmen verschärft
Unternehmen im Euroraum berichten von einer deutlichen Verschärfung der Zinsen und anderer Kreditbedingungen im zweiten Quartal 2026. Gleichzeitig stieg der Finanzierungsbedarf leicht an, während die Verfügbarkeit von Bankkrediten für KMU sank.
Zinsen ziehen an, Verfügbarkeit sinkt für KMU
Die jüngste Umfrage zum Zugang von Unternehmen zu Finanzierungen (SAFE) für das zweite Quartal 2026 zeigt eine markante Verschärfung der Kreditkonditionen im Euroraum.
Firmen meldeten einen starken Nettoanstieg der Zinsen für Bankkredite (netto 42 Prozent, gegenüber 26 Prozent im Vorquartal), der sowohl kleine und mittlere Unternehmen (KMU) als auch Großunternehmen betraf.
Auch andere Finanzierungskosten (netto 31 Prozent) und Sicherheitenanforderungen (netto 10 Prozent) stiegen.
Der Finanzierungsbedarf für Bankkredite nahm leicht zu (netto 2 Prozent), während die Verfügbarkeit insgesamt unverändert blieb.
Für Großunternehmen verbesserte sich die Verfügbarkeit (netto 4 Prozent), für KMU ging sie jedoch zurück (netto -4 Prozent).
Die Finanzierungslücke – die Differenz zwischen Bedarf und Verfügbarkeit – vergrößerte sich leicht auf 3 Prozent, von 2 Prozent im Vorquartal.
Inflationserwartungen stabil, Geopolitik fordert Strategien
Unternehmen erwarten für die nächsten zwölf Monate moderatere Anstiege bei Verkaufspreisen (3,2 Prozent, von 3,5 Prozent), Inputkosten ohne Arbeitskosten (5,2 Prozent, von 5,8 Prozent) und Lohnforderungen (2,5 Prozent, von 2,8 Prozent).
Die Inflationserwartungen der Unternehmen blieben über ein, drei und fünf Jahre weitgehend stabil, wobei die medianen Einjahres- und Dreijahreserwartungen bei 3,0 Prozent verharrten und die Fünfjahreserwartungen leicht auf 3,1 Prozent stiegen.
Der anhaltende Krieg im Nahen Osten stellt eine erhebliche Herausforderung dar.
Unternehmen reagieren darauf mit der Suche nach alternativen Lieferanten (36 Prozent) und Investitionen in Energieeffizienz (31 Prozent).
KI-Investitionen werden hauptsächlich aus internen Mitteln (72 Prozent) finanziert, externe Quellen wie Bankkredite machen jeweils etwa 16 Prozent aus.
Druck auf KMU bleibt hoch
Die Ergebnisse der SAFE-Umfrage zeigen, dass die Kreditmärkte für Unternehmen im Euroraum weiterhin angespannt sind, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.
Obwohl die Inflationserwartungen stabil bleiben, könnte die sinkende Kreditverfügbarkeit für KMU das Wachstum bremsen.
Die EZB wird diese Entwicklungen genau beobachten müssen, um eine Fragmentierung des Zugangs zu Finanzierungen zu verhindern.