Zinswende entwertet Anleihen und bremst Kreditvergabe
ECB Paper

Zinswende entwertet Anleihen und bremst Kreditvergabe

Steigende Zinsen haben die Wertpapierbestände der Euro-Banken entwertet. Eine aktuelle EZB-Studie weist nach, dass dieser Kollateralverlust den Interbankenmarkt austrocknet und die Kreditvergabe an Unternehmen spürbar bremst.

Kollateralverlust bremst Interbankenmarkt

Die Untersuchung von Ökonomen um Mariassunta Giannetti stützt sich auf einen umfassenden Datensatz für den Euroraum vom ersten Quartal 2022 bis zum dritten Quartal 2023.

Demnach verloren Banken im Schnitt rund 1 Prozent ihrer Bilanzsumme oder 12 Prozent ihres Eigenkapitals durch sinkende Kurse festverzinslicher Wertpapiere.

Diese Einbußen schränkten den Zugang zu gesicherten Interbankenkrediten drastisch ein: Ein Anstieg der Verluste um eine Standardabweichung ging mit einem Rückgang der Interbanken-Kreditaufnahme um knapp 4 Prozent einher.

Betroffen waren vor allem Institute, die vor dem Zinsanstieg stark auf Wertpapiere als Sicherheit angewiesen waren.

Die Autoren betonen, dass dieser Effekt unabhängig von der regulatorischen Eigenkapitalausstattung auftritt und primär über die dingliche Besicherung von Liquidität wirkt.

Inländische Puffer fangen Schocks ab

Zwar konnten Bankengruppen Verluste für inländische Tochtergesellschaften über interne Kapitalmärkte abfedern, doch für ausländische Ableger galt dies nicht.

Deren Kreditvergabe sank ähnlich stark wie bei eigenständigen Instituten, was auf eine nach wie vor ausgeprägte Fragmentierung des Euroraums entlang nationaler Grenzen hinweist.

Nationale Einlagensicherungssysteme und Liquiditätsauflagen verhindern eine reibungslose, länderübergreifende Reallokation von Mitteln.

Die Studie verdeutlicht, dass die Geldpolitik über den Wert von Sicherheiten ungleichmäßig auf die nationalen Märkte durchschlägt und eine Vollendung der Bankenunion erfordert.

Unterschätzter Übertragungskanal

Die Forschungsergebnisse offenbaren einen blinden Fleck in der geldpolitischen Analyse der Notenbanken.

Bislang stand fast ausschließlich das harte Eigenkapital im Fokus der Finanzstabilität.

Künftig müssen Zentralbanken auch die Kollateralwerte von Bankportfolios stärker in ihre Überlegungen einbeziehen.