EZB-Umfrage: Inflationserwartungen steigen, Wachstum sinkt
Die EZB-Umfrage unter professionellen Prognostikern (SPF) für das zweite Quartal 2026 zeigt gestiegene kurzfristige Inflationserwartungen und gesunkene Wachstumsprognosen. Die langfristigen Inflationserwartungen bleiben stabil bei 2,0 Prozent.
Inflationsdruck bleibt spürbar
Die professionellen Prognostiker haben ihre Inflationserwartungen für den Euroraum im zweiten Quartal 2026 deutlich nach oben korrigiert.
Für das Jahr 2026 wird nun eine harmonisierte Verbraucherpreisinflation (HVPI) von durchschnittlich 2,66 Prozent erwartet, ein signifikanter Anstieg gegenüber den 1,83 Prozent der Vorquartalsumfrage.
Auch für 2027 stiegen die Prognosen von 1,97 Prozent auf 2,13 Prozent.
Die Kerninflation (HVPI ohne Energie und Nahrungsmittel) wird für 2026 auf 2,20 Prozent (zuvor 2,03 Prozent) und für 2027 auf 2,17 Prozent (zuvor 2,00 Prozent) geschätzt.
Die langfristigen Inflationserwartungen für 2030 bleiben mit 2,02 Prozent (HVPI) und 2,03 Prozent (Kerninflation) stabil um das EZB-Ziel von 2 Prozent.
Die Aufwärtskorrekturen spiegeln unter anderem höhere Lohnwachstumserwartungen wider, die einen Basiseffekt von 0,105 Prozentpunkten für 2026 und 0,115 Prozentpunkten für 2027 auf die HVPI-Inflation haben.
Wachstumsprognosen unter Druck
Im Gegensatz zu den Inflationsprognosen wurden die Erwartungen für das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach unten revidiert.
Für 2026 wird nun ein Wachstum von 0,95 Prozent prognostiziert, verglichen mit 1,19 Prozent in der vorherigen Umfrage.
Auch für 2027 sanken die Erwartungen von 1,41 Prozent auf 1,26 Prozent.
Diese Anpassungen bringen die SPF-Prognosen für 2026 näher an die makroökonomischen Projektionen der EZB-Mitarbeiter vom März 2026, die 0,91 Prozent Wachstum vorsahen.
Die Unsicherheit über die Wachstumsaussichten bleibt bestehen, wobei Faktoren wie die Entwicklung der Öl- und Energiepreise sowie die zukünftige Geldpolitik als wichtige Einflussgrößen genannt werden.
Zweischneidige Entwicklung
Die aktuelle SPF-Umfrage sendet ein klares Signal: Der Kampf gegen die Inflation ist noch nicht gewonnen, insbesondere auf kurze Sicht.
Die nach oben korrigierten Erwartungen für 2026 und 2027 könnten den Druck auf die EZB erhöhen, eine vorsichtige Haltung beizubehalten.
Gleichzeitig dämpfen die gesenkten Wachstumsprognosen die Hoffnung auf eine rasche wirtschaftliche Erholung im Euroraum.