Energiepreisschock dämpft Bankkredit für energieintensive Firmen
Eine neue EZB-Studie untersucht anhand dänischer Daten die Folgen des Energieschocks von 2022 auf die Kreditvergabe an Unternehmen. Die Autoren Møller und Poeschl zeigen, dass das Kreditwachstum energieintensiver Firmen im zweiten Quartal 2022 drastisch zurückging.
Teure Energie, sinkende Kreditlinien
Møller und Poeschl analysieren die Kreditvergabe dänischer Industrieunternehmen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine.
Mithilfe von Unternehmensumfragen und dem dänischen Kreditregister vergleichen sie Betriebe mit unterschiedlicher Energieintensität.
Im zweiten Quartal 2022 wuchs das Bankkreditvolumen für stark energieabhängige Unternehmen um 8,75 Prozentpunkte langsamer als bei weniger exponierten Firmen derselben Branche und Bank.
Rund 70 Prozent dieses Rückgangs entfallen auf bestehende Kreditlinien.
Sogenannte sichere Unternehmen schränkten ihre Kreditinanspruchnahme besonders stark ein, während das Zinsniveau für neue Kredite risikoreicher Betriebe stieg.
Fixeffekte trennen Schocks und Kausalität
Um kausale Effekte von Störfaktoren wie der Pandemie oder geopolitischen Risiken zu trennen, nutzen die Forscher granulare Branchen-Zeit- sowie Bank-Zeit-Fixeffekte.
Die dänische Wirtschaft bietet dafür ideale Bedingungen, da der dortige verarbeitende Sektor eng mit dem Euroraum verflochten ist.
Das Ausmaß des Einbruchs entspricht in seiner wirtschaftlichen Wirkung einer Leitzinserhöhung um rund 50 Basispunkte durch die Zentralbank, was die geldpolitische Transmission spürbar beeinflusst.
Vorsicht vor versteckten Bremsklötzen
Die Studie liefert wertvolle Einblicke in die Transmissionsmechanismen von Angebotsschocks.
Methodisch überzeugend zeigt sie, dass Kreditnachfrage und -angebot parallel justiert werden.
Für Zentralbanken verdeutlicht dies, dass Kostenschocks wie Zinserhöhungen wirken können.