Wohnkreditnachfrage sinkt, Banken verschärfen Firmenkredite
Die Nachfrage nach Wohnkrediten sank im dritten Quartal 2026 per saldo bei 27 Prozent der Banken im Euroraum. Das zeigt die am 27. Oktober veröffentlichte Kreditumfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter 159 Banken mit vollständigem Rücklauf.
Höhere Zinsen bremsen Kreditnachfrage
Per saldo verschärften 9 Prozent der Banken ihre Firmenkreditrichtlinien, nach 7 Prozent im Vorquartal; bei Wohnkrediten waren es 0 Prozent, bei Konsumentenkrediten 14 Prozent.
Höhere Risiken und geringere Risikotoleranz trieben die Verschärfung.
Frankreich und Deutschland meldeten strengere Firmenrichtlinien, Italien Lockerungen und Spanien keine Änderung.
Die Nachfragesalden betrugen bei Firmen -6 Prozent, bei Wohnkrediten -27 Prozent und bei Konsumentenkrediten -2 Prozent.
Höhere Zinsen belasteten alle Segmente; schwächeres Verbrauchervertrauen und schlechtere Immobilienmarktaussichten bremsten Wohnkredite zusätzlich.
Die Konditionen verschärften sich in allen Segmenten.
Mehr Ablehnungen meldeten netto 5, 5 und 10 Prozent der Banken.
Banken rechnen mit weiterer Verschärfung
Für das vierte Quartal 2026 erwarten Banken strengere Richtlinien für Firmen-, Wohnungs- und Konsumentenkredite mit Nettosalden von 7, 10 und 16 Prozent.
Bei der Nachfrage rechnen sie mit -1, -36 und -14 Prozent.
Der Zugang zur Einlagenfinanzierung verschlechterte sich netto bei 9 Prozent, dem höchsten Anteil seit Serienbeginn 2011.
Auch Anleihe- und Geldmarktfinanzierung wurden schwieriger.
Der Abbau des EZB-Wertpapierportfolios belastete Liquidität und Marktfinanzierung leicht, erhöhte aber Staatsanleihebestände und stützte die Profitabilität.
Kreditrisiken bleiben im Fokus
Kreditqualitätsindikatoren verschärften die Richtlinien in allen Kreditsegmenten.
Für KI-Kredite fehlen meist spezielle Prüfkriterien; Banken sehen Finanzierungsbedarf vor allem bei Rechenzentren.
Digitale Vermögenswerte wirkten bisher weitgehend neutral, Banken erwarten jedoch Belastungen für die Einlagenfinanzierung.