BIP-Revisionen verzerren Schätzungen der Produktionslücke
Statistische BIP-Revisionen und Prognosefehler schlagen direkt auf Schätzungen des Produktionspotenzials durch. Laut einer EZB-Studie von Béla Szörfi fließen rund 53 Prozent der BIP-Datenrevisionen und 40 Prozent der mittelfristigen Prognosefehler in korrigierte Potenzialwachstumsraten ein.
Geringste Korrekturen bei der EU-Kommission
EZB-Ökonom Béla Szörfi analysiert in einem Occasional Paper die Schätzungen von EU-Kommission, Eurosystem, IWF und OECD für bis zu 20 Euroraum-Länder zwischen 2002 und 2025.
Im ausgewogenen Panel aus elf Staaten weist die EU-Kommission die stabilsten Schätzungen auf, während die OECD die stärksten Revisionen verzeichnet.
Die Zuverlässigkeit des Eurosystems verbesserte sich seit 2013 spürbar, gestützt durch die 2017 eingeführte jährliche Überprüfung der Angebotsseite.
Panelregressionen belegen: 53,2 Prozent der statistischen BIP-Korrekturen und 39,8 Prozent der zweijährigen BIP-Prognosefehler übertragen sich direkt auf das geschätzte Potenzialwachstum.
Kurzfristige Nowcast-Fehler spielen eine untergeordnete Rolle.
Konjunkturschocks als Strukturbrüche getarnt
Die Ursache der Verzerrung liegt in den Schätzmethoden: Gängige Produktionsfunktions- und Filteransätze unterstellen, dass sich die Produktionslücke über den Prognosehorizont schließt.
Bleibt das tatsächliche BIP-Wachstum unerwartet schwach, senken Modelle rückwirkend das Potenzialwachstum ab.
Temporäre Nachfrageschocks werden so fälschlich als dauerhafter Kapazitätsverlust interpretiert.
Zudem zeigen Länder wie Belgien, Zypern, Malta und die Niederlande besonders ausgeprägte statistische Datenrevisionen.
Gefährliche Scheingenauigkeit
Die Studie entlarvt die trügerische Exaktheit von Echtzeit-Potenzialschätzungen.
Wer Geldpolitik oder Fiskalregeln starr an diese Modellgrößen kettet, riskiert Fehlentscheidungen.
Notenbanken müssen harten Umfragedaten zur Auslastung mehr Gewicht geben als Filtermodellen.
Quelle: The factors behind output gap revisions
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