Festzinskredite verstärken Kreditrückgang nach Zinserhöhungen
Bei 100 Basispunkten Zinserhöhung sinkt die Neukreditvergabe im Modell mit Festzinsen rund ein Drittel stärker als mit variablen Zinsen. Das zeigt eine am 14. Oktober 2026 veröffentlichte Studie der Europäischen Zentralbank (EZB).
Kapitalnähe macht den Unterschied
Jorge Abad, Saki Bigio, Salomon Garcia-Villegas, Joël Marbet und Galo Nuño vergleichen im Forschungspapier Nr. 3299 zwei Bankensysteme mit ausschließlich festen beziehungsweise variablen Kreditzinsen.
Bei Festzinsen steigen nach einer Zinserhöhung die Finanzierungskosten, während Erträge aus Altkrediten unverändert bleiben.
Das schmälert Margen und Eigenkapital; Banken nahe der regulatorischen Kapitalgrenze reduzieren ihre Kreditvergabe besonders stark.
Bei variablen Zinsen wachsen dagegen zunächst Margen und Kapitalpuffer.
Das Bankausfallrisiko steigt im Festzinssystem und sinkt im variablen System.
Ohne relevanten Solvenzdruck verschwinden die Unterschiede weitgehend.
Das Basismodell hält Kreditausfallrisiken konstant; die Ergebnisse sind keine Position der EZB.
Zwei Kreditwelten im Euroraum
In Belgien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden haben rund 80 Prozent der ausstehenden Kredite feste Zinsen.
In Österreich, Finnland, Irland, Italien, Portugal und Spanien sind mehr als 60 Prozent variabel verzinst.
Die Kalibrierung nutzt vor allem Bank- und Regulierungsdaten von 2013–2023; die dynamische Validierung umfasst die zehn größten Euroländer von 2003–2019.
Die modellierte Kapitaluntergrenze beträgt 7 Prozent.
Eine geringere Streuung bankspezifischer Kreditausfälle lässt den Unterschied der Kreditreaktionen nahezu verschwinden.
Puffer und Tempo zählen
Eine temporäre Kapitalpufferfreigabe um einen Prozentpunkt verringert im Modell die Kreditunterschiede und zunächst das Bankausfallrisiko beider Systeme.
Langsamere Zinserhöhungen bei gleicher kumulierter Straffung senken die Ausfallspitze im Festzinssystem.
Die Autoren knüpfen diesen Vorteil an einen glaubwürdigen Zinspfad.