Eurozone Leistungsbilanz schrumpft 2025 deutlich
Der Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone sank 2025 auf 1,7 Prozent des BIP, von 2,7 Prozent im Vorjahr. Haupttreiber waren US-Zölle, Aktivitäten US-amerikanischer multinationaler Unternehmen (MNEs) und strukturelle Verschiebungen im Welthandel.
Dienstleistungen und Einkommen belasten Bilanz
Der Rückgang des Leistungsbilanzüberschusses der Eurozone im Jahr 2025 wurde primär durch Entwicklungen im Dienstleistungshandel und bei den Einkommensflüssen verursacht, nicht durch den Warenhandel.
Der Warenüberschuss stieg marginal von 2,2 Prozent des BIP im Jahr 2024 auf 2,3 Prozent im Jahr 2025.
Das Schrumpfen des Gesamtüberschusses ist somit weitgehend auf Veränderungen in den Nicht-Warenkomponenten zurückzuführen, insbesondere auf eine Verschiebung der Primäreinkommensbilanz von einem Überschuss von 0,4 Prozent des BIP zu einem Defizit von 0,3 Prozent und eine Reduzierung des Dienstleistungsüberschusses von 1,2 Prozent auf 0,9 Prozent.
Die Bilanz gegenüber den Vereinigten Staaten wechselte von einem Überschuss von 0,1 Prozent des BIP im Jahr 2024 zu einem Defizit von 0,4 Prozent im Jahr 2025, trotz eines größeren Warenüberschusses, was größere Defizite bei Dienstleistungen und Primäreinkommen widerspiegelt.
Das Defizit gegenüber China weitete sich von 0,7 Prozent des BIP im Jahr 2024 auf 1,0 Prozent im Jahr 2025 aus, im Einklang mit einem Anstieg des Warendefizits.
MNEs und China prägen Handelsströme
Der Wechsel zu einem Defizit in der Leistungsbilanz der Eurozone gegenüber den USA im Jahr 2025 ist eng mit den Aktivitäten US-amerikanischer MNEs verbunden.
Deren Eurozonen-Tochtergesellschaften unterstützten zwar größere Waren-Nettoexporte, führten aber zu erhöhten Dienstleistungs- und Einkommensdefiziten.
Der Anstieg des Warenhandelsüberschusses mit den USA wurde hauptsächlich durch Pharmaexporte getrieben, von denen ein erheblicher Teil auf US-MNE-Tochtergesellschaften in der Eurozone, insbesondere in Irland, entfällt.
Gleichzeitig gingen die Eurozonen-Exporte von Maschinen und Fertigprodukten in die USA im Jahr 2025 zurück, was teilweise auf die im April 2025 angekündigten US-Handelszölle zurückzuführen ist.
Die zunehmende Konkurrenz aus China ist ein weiterer wichtiger Faktor.
Das Defizit der Eurozone gegenüber China weitete sich hauptsächlich durch ein größeres Handelsdefizit bei Maschinen und Fertigprodukten aus.
Dies steht im Einklang mit Chinas starker Position in globalen Lieferketten, Überkapazitäten und nicht-marktgesteuerten Industriepolitiken, die die chinesischen Erzeugerpreise drückten und die Wettbewerbsfähigkeit auf europäischen Märkten erhöhten.
Struktureller Wandel erfordert Anpassung
Das Schrumpfen des Leistungsbilanzüberschusses ist ein klares Signal für tiefgreifende strukturelle Veränderungen im globalen Handel und der Unternehmenslandschaft.
Die Abhängigkeit von MNE-Strukturen und die zunehmende Konkurrenz aus Asien erfordern eine strategische Neuausrichtung der europäischen Wirtschaft.
Für die Geldpolitik bedeutet dies, dass externe Ungleichgewichte weiterhin genau beobachtet werden müssen, um potenzielle Risiken für die Finanzstabilität frühzeitig zu erkennen.