Lieferketten erhöhen Ausmaß und Dauer von Inflationsschocks
Eine EZB-Studie zeigt: Unternehmungsverflechtungen in den USA verstärken Preissteigerungen durch Öl- und Agrarschocks erheblich. Das BVAR-Modell der Ökonominnen Francesca Monti und Leïla Van Keirsbilck nutzt Input-Output-Tabellen, um die Ausbreitung von Sektorschocks auf die Gesamtwirtschaft zu belegen.
42 Variablen und das Leontief-Modell
Die Ökonominnen Francesca Monti und Leïla Van Keirsbilck analysieren US-Erzeugerpreise aus 35 Branchen sowie sieben Makrovariablen im Zeitraum von Januar 2004 bis Dezember 2024.
Ihr Bayesisches Vektorautoregressionsmodell (BVAR) integriert die Input-Output-Matrix der US-Aufsichtsbehörde BEA als langfristigen Prior.
Im Vergleich zu Standardmodellen verbessert dieser Ansatz die Prognosegenauigkeit der Verbraucherpreisinflation deutlich und erreicht das Niveau der Survey of Professional Forecasters.
Bei einem Ölpreisschock von fünf Prozent steigt die maximale Preisreaktion der Branchen proportional zu ihrer Energieintensität.
Träge Sektoren wie das Baugewerbe verlängern dabei die Inflationsdauer selbst nach Abklingen des Ursprungsschocks.
Der Preis der vollständigen Inflationskontrolle
Selbst eng begrenzte Störungen entfalten über Netzwerke makroökonomische Wirkung.
Ein Schock bei Getreidepreisen um fünf Prozent breitet sich von der Landwirtschaft aus und schlägt sich direkt in der Gesamtinflation nieder.
Eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte dämpft zwar Preise und Produktion, wirkt aber je nach Netzwerkkennzahlen der Branchen stark zeitverzögert.
Eine Konterfaktik verdeutlicht das Zielkonflikt-Dilemma: Das vollständige Dämpfen eines Ölschocks erfordert extrem aggressive Zinsanhebungen und erzwingt einen scharfen Einbruch der Industrieproduktion.
Methodisch stark, geldpolitisch ernüchternd
Die Einbindung von Input-Output-Matrizen liefert einen überzeugenden Nachweis branchenspezifischer Kaskadeneffekte.
Für Notenbanken ist das Befundmuster unbequem: Angebotsschocks zu ignorieren unterschätzt die Inflationsdauer.
Ein krampfhaftes Gegensteuern erkauft Preisstabilität mit schweren realwirtschaftlichen Einbrüchen.