Gaspreise schlagen schneller auf Verbrauchertarife durch
Eine EZB-Analyse zeigt: Höhere Gaspreise erreichen die Verbraucher im Euroraum 2026 schneller als während der Energiekrise 2021/22. Gleichzeitig dämpfen mehr erneuerbare Energien den Einfluss auf die Strompreise.
Schnellere Weitergabe bei Gas, Puffer bei Strom
Laut einer Umfrage des Eurosystems schlagen veränderte Großhandelspreise für Gas in über der Hälfte des Euroraums bereits innerhalb von ein bis drei Monaten auf die Verbraucherpreise durch.
In rund einem Drittel des Währungsraums dauert die Übertragung sieben bis zwölf Monate.
Der Anteil der Länder mit einer trägen Weitergabe von 13 bis 24 Monaten sank seit 2022 von rund 40 Prozent auf nur noch fünf Prozent.
Kürzere Vertragslaufzeiten und flexible Tarife beschleunigen die Preisanpassung im Gassektor.
Beim Strom bleibt das Bild hingegen heterogen: Die Übertragungsdauer variiert unverändert zwischen unter einem Monat und bis zu zwei Jahren.
Erneuerbare brechen den Koppelungseffekt
Der Ausbau erneuerbarer Energien schwächt die traditionelle Koppelung von Gas- und Stromgroßhandelspreisen ab.
In Spanien und Frankreich bestimmt Gas deutlich seltener den Strompreis als in der Krise 2021/22, während Italien weiterhin stark davon geprägt bleibt.
Zudem federn staatliche Komponenten Preisschwankungen ab: 2025 machten Steuern und Abgaben durchschnittlich 31 Prozent des Gaspreises und 27 Prozent des Strompreises im Euroraum aus.
Kürzere Ausschläge, ungleiche Effekte
Die schnellere Weitergabe erhöht die kurzfristige Volatilität der Inflation, dämpft aber deren Dauer.
Für die Notenbank laufen Preisschocks dadurch rascher durch das System als noch 2022.
Gleichzeitig erschweren die starken nationalen Unterschiede präzise Prognosen für den Euroraum.