Nahost-Konflikt bremst Konsum im Euroraum spürbar
ECB Paper

Nahost-Konflikt bremst Konsum im Euroraum spürbar

Der Ausbruch des Nahost-Konflikts hat das Verbrauchervertrauen im Euroraum stark belastet und das Konsumwachstum von 3 bis 4 Prozent auf etwa 2,5 Prozent gedämpft. Eine EZB-Analyse zeigt, dass vor allem wohlhabendere Haushalte Ermessensausgaben aufschieben.

Wenn Wohlhabende die Bremse treten

Zwischen Februar und April 2026 brach der Verbrauchervertrauensindex im Euroraum um rund 12 Punkte ein – ein Rückgang ähnlich dem nach Beginn des Ukraine-Kriegs.

Infolgedessen verlangsamte sich das nominale Konsumwachstum von zuvor 3 bis 4 Prozent auf 2,5 Prozent im April.

Die Ausgabenkürzungen betrafen vor allem aufschiebbare Konsumgüter wie Reisen, Luxuskleidung und Freizeitangebote, während die Aufwendungen für Energie transportbedingt stiegen.

Höhere Einkommensgruppen reduzierten ihre Ermessensausgaben besonders stark, da sie über entsprechende Handlungsspielräume verfügen.

Unterdessen führte ein Vertrauensverlust von 10 Punkten im April zu einem Konsumrückgang von 0,4 Prozentpunkten.

Dieser Effekt ist doppelt so hoch wie im historischen Durchschnitt.

Angst vor dauerhaftem Kaufkraftverlust

Zusätzliche Abwärtsrisiken resultieren aus den Erwartungen zum Realeinkommen.

Rund 40 Prozent der befragten Haushalte rechnen bei anhaltender Inflation mit keinerlei Aufholprozess ihrer Kaufkraft.

Die permanente Einkommenshypothese legt nahe, dass Dauerverluste zu nachhaltigen Konsumeinschränkungen führen.

Da die aktuelle Zurückhaltung jedoch primär auf Unsicherheit basiert und nicht auf echten Budgetengpässen, bleibt eine Umkehr möglich.

Stabilisiert sich das Vertrauen, werden aufgeschobene Käufe rasch nachgeholt.

Psychologie schlägt Geldpolitik

Die Analyse legt offen, wie verwundbar die Konjunktur im Euroraum gegenüber geopolitischen Schocks bleibt.

Wenn vermögende Haushalte rein aus Verunsicherung ihr Geld zusammenhalten, greifen klassische Zinsimpulse ins Leere.

Ohne nachhaltige geopolitische Beruhigung droht die Stimmungsflaute das Wachstum langfristig zu lähmen.