Optionspreise offenbaren die Persistenz von Inflationsrisiken
Eine Studie von EZB- und Notenbankökonomen zeigt anhand von Optionsdaten zwischen 2009 und 2026, wie unterschiedlich kurz- und langfristige Inflationsrisiken gepreist werden. Die Laufzeitstruktur trennt vorübergehende Schocks verlässlich von einer dauerhaften Entankerung der Teuerung.
Diskrepanz zwischen kurzer und langer Frist
Die Autoren Juan Angel Garcia, Ricardo Gimeno, Piers Hinds, Haozhe Su und Michael V. Tretyakov analysieren risikoneutrale Wahrscheinlichkeitsdichten aus Euro-Inflationsoptionen.
Während der Pandemie 2020 stieg die Wahrscheinlichkeit einer Deflation auf Sicht von zwei Jahren auf fast 70 Prozent und bei fünf Jahren auf 36 Prozent, verharrte am Fünfjahres-Terminhorizont in fünf Jahren (5y5y) jedoch unter 7 Prozent.
Bei der Inflationswelle ab 2021 kehrte sich das Bild um: Im Frühjahr 2022 lag die Wahrscheinlichkeit für Teuerungsraten über 2,0 Prozent am kurzen Ende bei fast 100 Prozent, während die langfristige 5y5y-Verteilung nur moderat reagierte.
Punktuelle Maße wie Swap-Sätze übersehen diese Asymmetrien der Risikoverteilung völlig.
Verschiedene Treiber je nach Fristigkeit
Über eine bayesianische Selektion aus 36 makroökonomischen und finanziellen Faktoren isoliert die Studie die Treiber der Risikobalance.
Kurz- und mittelfristige Risiken reagieren primär auf zyklische Faktoren wie Rohstoffpreise, Einkaufsmanagerindizes (PMI) und die aktuelle Gesamtrate.
Für langfristige Risiken (5y5y) sind hingegen Erzeugerpreise sowie Finanzmarktindikatoren ausschlaggebend – darunter Euribor-OIS-Spreads, Kreditaufschläge und die US-Zinsstrukturkurve.
Geldmengenaggregate und reale Wirtschaftsaktivität spielen an keinem Horizont eine wesentliche quantitative Rolle.
Punktprognosen sind blind für Risiken
Die Studie entlarvt die gängige Praxis, Risiken nur an einzelnen Fünfjahres-Swaps abzulesen.
Erst die volle Options-Laufzeitstruktur trennt kurzfristigen Lärm von echter Entankerung.
Für Zentralbanken ist dieser Ansatz ein unverzichtbares Instrument gegen geldpolitische Fehlentscheidungen.