Zehn Billionen Euro liegen auf zinsarmen Bankkonten
ECB Decoder

Zehn Billionen Euro liegen auf zinsarmen Bankkonten

Rund 80 Prozent der Haushalte im Euroraum besitzen keine Wertpapiere, während knapp zehn Billionen Euro auf Bankkonten liegen. Eine EZB-Analyse zeigt enorme Unterschiede zu den USA und fordert gezielte Reformen zur Mobilisierung von privatem Kapital.

Vier Prozent investieren direkt am Kapitalmarkt

Im Euroraum halten Haushalte rund ein Drittel ihres Finanzvermögens in Bargeld und zinsarmen Einlagen – in den USA sind es lediglich elf Prozent.

Selbst unter den wohlhabendsten 20 Prozent der Haushalte besitzen im Euroraum weniger als 45 Prozent Aktien, Anleihen oder Fonds, verglichen mit über 65 Prozent in den USA.

Eine Clusteranalyse der EZB unterteilt die europäischen Sparer in vier Gruppen: Mehr als 60 Prozent binden ihr Vermögen vorwiegend in illiquiden Immobilien, 25 Prozent halten fast ausschließlich Bankeinlagen, und zehn Prozent nutzen Rentenprodukte.

Nur vier Prozent der Haushalte investieren direkt nennenswerte Summen in Aktien, Anleihen oder ETFs.

Mangelndes Vertrauen, geringe Finanzbildung und wahrgenommene Risiken hemmen die Teilnahme.

Vorbilder aus Slowenien, Finnland und den Niederlanden

Um die Sparquote produktiv für Investitionen und Wachstum zu nutzen, verweist der Bericht auf erfolgreiche Modelle einzelner Mitgliedstaaten.

Slowenien steigerte das Finanzwissen durch nationale Programme seit 2010 spürbar.

In Finnland besitzen dank unkomplizierter Aktienanlagekonten 37 Prozent der Haushalte Fonds oder börsennotierte Aktien.

Die Niederlande binden Bürger über verpflichtende betriebliche Rentensysteme automatisch an den Kapitalmarkt an.

Brüssel drängt daher auf eine rasche Umsetzung der Spar- und Investitionsunion sowie auf einfache Anlagekonten.

Kulturwandel braucht mehr als Formulare

Die Scheu vor Wertpapieren wurzelt tiefer als in bloßem Unwissen oder fehlenden Produkten.

Standardisierte Anlagekonten allein werden zehn Billionen Euro nicht über Nacht in Produktivkapital verwandeln.

Ohne verbindliche Rentenreformen und steuerliche Anreize bleibt die Kapitalmarktunion wirkungslos.

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