Relleen bilanziert britische Börsenreformen und Digital-Gilt
Die britische Finanzaufsicht FCA hat 30 Reformprojekte für die Kapitalmärkte abgeschlossen und bereitet die Ausgabe einer ersten digitalen Staatsanleihe vor. FCA-Direktor Jon Relleen zog am 5. Oktober 2026 auf dem Capital Markets Summit eine Bilanz der bisherigen Maßnahmen.
Erleichterte Notierungen und Anleihen-Transparenz
Die FCA hat im Rahmen ihres Reformprogramms rund 30 Vorhaben für die Großhandelsmärkte umgesetzt.
Durch die Neugestaltung der Notierungsregeln verzeichnete der Hauptmarkt in London rund 25 Neuzugänge, darunter sieben Börsengänge im ersten Halbjahr 2026.
Das im Juni gestartete Consolidated Tape für Anleihen zählt bereits 1,6 Millionen abonnierte Lizenzen und steigerte die in Echtzeit erfassten Unternehmensanleihe-Transaktionen um 70 Prozent sowie die für Staatsanleihen um 30 Prozent.
Auf der neu geschaffenen Handelsplattform PISCES für Anteile an Privatunternehmen wurden nach Zulassung von vier Betreibern sieben Transaktionen abgewickelt.
Zudem sollen Anpassungen beim Transaktions-Reporting den Instituten jährlich rund 100 Millionen Pfund an Kosten einsparen.
Tokenisierung und flexiblere Aufsicht
Die FCA verfolgt das Ziel, weg von rein präskriptiven Vorschriften hin zu transparenz- und ergebnisorientierter Regulierung überzugehen.
Gemeinsam mit der Bank of England und dem Schatzamt treibt die Aufsicht die Digitalisierung voran: Über die Digital Securities Sandbox soll Anfang nächsten Jahres die erste digitale britische Staatsanleihe emittiert werden.
In den kommenden Wochen veröffentlichen die Behörden zudem einen gemeinsamen Fahrplan für tokenisierte Großhandelsmärkte.
Post-Brexit-Pragmatismus unter Zeitdruck
Londons Reformeifer bringt spürbare Kostensenkungen, kann den Standortnachteil gegenüber New York aber nur teilweise ausgleichen.
Ob Prestigeprojekte wie der Digital-Gilt tatsächlich neue Liquidität anziehen, bleibt vorerst offen.
Die Gratwanderung zwischen Deregulierung und Marktintegrität bleibt das größte Risiko.