63 Prozent der Corporate-Finance-Firmen mit Compliance-Konflikten
Eine Umfrage unter 382 britischen Corporate-Finance-Firmen offenbart erhebliche Lücken in Kontrollfunktionen. Bei 63 Prozent der Institute ist die Compliance nicht unabhängig organisiert, während 90 Prozent externe Dienstleister nutzen.
Zwischen Umsatzdruck und Regulierung
Die britische Finanzaufsicht hat 411 Corporate-Finance-Dienstleister befragt und 382 Rückmeldungen ausgewertet.
Die Mehrheit der Firmen operiert im Kleinformat: 64 Prozent beschäftigen neun oder weniger Mitarbeiter, 89 Prozent haben unter 50 Angestellte.
Bei 63 Prozent der befragten Firmen übernimmt die Compliance-Funktion zugleich operative Geschäftsaufgaben, was gravierende Interessenkonflikte schürt – insbesondere wenn Compliance-Beauftragte direkt zur Ertragsgenerierung beitragen.
Fast alle Häuser, exakt 90 Prozent, greifen zudem auf externe Compliance-Dienstleister zurück.
Die Verantwortung verbleibt dennoch bei den leitenden Managern.
32 Firmen agieren zudem als AIM-Berater, AQSE-Broker oder Börsen-Sponsoren mit direkter Marktrelevanz.
Fehlende Register und stumme Whistleblower
Nur 47 Prozent der Firmen setzen sämtliche abgefragten Kontrollmaßnahmen um.
Bei zentralen Schutzmechanismen klaffen Lücken: 140 Unternehmen binden regulatorische Compliance nicht in die Leistungsbeurteilung des Personals ein.
90 Häuser bieten keine Vorkehrungen für Whistleblower, während jeweils 82 Firmen auf Verstoßregister, Management-Berichte oder die Teilnahme der Compliance an Führungssitzungen verzichten.
Zudem führen 67 Institute kein Monitoring-Programm und 32 besitzen kein Compliance-Handbuch.
Schlanker Schein, reales Risiko
Kleine Boutiquen behandeln Kontrollfunktionen allzu oft als lästige Formalität statt als wirksames Korrektiv gegen Fehlverhalten.
Wer externe Berater vorschiebt und interne Warner ignoriert, gefährdet die Integrität des gesamten Marktes.
Für Aufseher reicht Nachsicht wegen geringer Betriebsgröße längst nicht mehr aus.