Barr warnt vor Zinserhöhung und fordert Kredite für Vorbestrafte
Mit Blick auf anhaltende Inflationsrisiken und Arbeitsmarkthürden hat Fed-Gouverneur Michael S. Barr Reformen bei der Kreditvergabe für ehemals Inhaftierte gefordert. Am 1. September 2026 schloss er in Washington zudem Zinserhöhungen nicht aus.
Zinsdruck und ungenutzte Potenziale
Auf dem Second-Chance Lending Forum stellte Fed-Gouverneur Michael S. Barr klar, dass die Notenbank bei anhaltendem Preisdruck zu weiteren Zinserhöhungen bereit sei.
Zwar sank die Inflation von über 7 Prozent im Jahr 2022 auf rund 2 Prozent 2024, stagnierte 2025 jedoch infolge von Zöllen, Nahost-Spannungen und dem KI-Boom.
Den Schwerpunkt seiner Rede widmete Barr den wirtschaftlichen Hürden für ehemals Inhaftierte.
Laut Fed-Daten besitzen rund 1,1 Millionen US-Kleinunternehmer – knapp 4 Prozent aller Betriebe – ein Strafregister.
Frühere Häftlinge, die ein Unternehmen gründen, erzielen im Schnitt ein um 24 Prozent höheres Einkommen als in traditioneller Beschäftigung und weisen signifikant niedrigere Rückfallquoten auf.
Alternative Bonitätsprüfung statt Ausschluss
Laut dem SHED-Bericht der Fed bewerten 75 Prozent der Bürger ohne Vorstrafen ihre finanzielle Lage positiv, verglichen mit 60 Prozent bei ehemals Inhaftierten.
Obwohl Betroffene häufiger Kredite beantragen, scheitern sie oft an traditionellen Bonitätsprüfungen.
Barr plädierte daher für alternative Scoring-Modelle auf Basis von Cashflow-Daten und künstlicher Intelligenz.
„Sollte sich die Inflation nicht ausreichend abschwächen, müssen wir entschlossen handeln und die Zinsen anheben“, betonte Barr mit Blick auf die Geldpolitik.
Wirtschaftslogik schlägt Stigma
Barr verknüpft gesellschaftliche Reintegration klug mit den Produktivitätszielen der Notenbank.
Die Öffnung der Kreditmärkte über alternative Daten beseitigt eine teure Ineffizienz des Arbeitsmarkts.
Seine gleichzeitige Zinswarnung stellt jedoch klar, dass die Inflationsbekämpfung uneingeschränkten Vorrang genießt.