Bowman fordert klare Verantwortung für Bankenaufsicht
Michelle W. Bowman, Vizevorsitzende der Federal Reserve (Fed) für Bankenaufsicht, fordert am 14. Oktober 2026 beim Bangkok Economic Festival schnellere Aufsichtsentscheidungen. Eine unabhängige SVB-Prüfung benennt unklare Zuständigkeiten als Hindernis.
54 Beanstandungen verfehlten die Kernrisiken
Laut Bowman kannten Fed-Prüfer und Fachabteilungen die Zins- und Liquiditätsrisiken der Silicon Valley Bank (SVB) mindestens neun Monate vor deren Abwicklung durch die US-Einlagensicherung FDIC 2023.
Die vorläufigen Ergebnisse einer von ihr beauftragten unabhängigen Prüfung nennen unklare Entscheidungsbefugnisse und fehlende Rechenschaftspflichten als Ursachen verspäteten Handelns.
Zwischen 2019 und der Insolvenz ergingen 54 aufsichtsrechtliche Beanstandungen; keine verlangte die Behebung der zentralen Finanzrisiken.
Die Prüfung widerspricht früheren Erklärungen, wonach soziale Medien den Bankansturm verursacht hätten oder das Entlastungsgesetz von 2018 und regulatorische Änderungen das Ausbleiben von Fed-Maßnahmen erklärten.
Stattdessen dominierte die Kontrolle von Prozessen.
Entscheidungsrechte statt weiterer Abstimmungsschleifen
Die Fed prüft klarere Zuständigkeiten zwischen Gouverneursrat und regionalen Reservebanken, Entscheidungsrechte für Prüfer sowie direkte Eskalationswege zur Aufsichtsleitung.
Ihre im Herbst 2025 veröffentlichten Aufsichtsgrundsätze hat sie zuletzt um Lehren aus der Prüfung ergänzt.
Bowman verlangt risikogerechte Aufsichtsintensität statt gleicher Behandlung aller Institute.
Auch das Arbeitsprogramm 2026 des Finanzstabilitätsrats (FSB) umfasst Modernisierung.
Den FSB und den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht mahnt sie zur Konzentration auf ihre Kernmandate.
Ungeprüfte Befunde tragen keine Standards
Bowman wirft FSB und Basler Ausschuss vor, unvollständige US-Berichte nahezu wörtlich übernommen zu haben.
Dazu zählt der Bericht des damaligen Fed-Vizevorsitzenden Barr vom April 2023, der weitere Regulierungsarbeit begründet habe.
Diese Arbeit hält sie angesichts der neuen Prüfung für nicht gerechtfertigt und verlangt validierte Daten.