FVI-Index misst strukturelle Risiken über 39 Variablen
Ökonomen der Federal Reserve haben den Financial Vulnerability Index entwickelt, der anhand von 39 Indikatoren strukturelle Verwundbarkeiten im US-Finanzsystem abbildet. Das Modell prognostiziert Risiken für den Arbeitsmarkt mit einem Vorlauf von zwei Jahren.
Frühwarnung statt Stressmessung im Moment
Die Fed-Ökonomen Michele Modugno, Benjamin Roscoe und Sarah Zoi bündeln 39 Einzelindikatoren in vier Kategorien: Bewertungsdruck, Kreditaufnahme von Haushalten und Unternehmen, Finanzhebel sowie Refinanzierungsrisiken.
Mittels eines Quantil-Faktormodells gewichten die Autoren die Variablen nach ihrer Vorhersagekraft für extreme Anstiege der Arbeitslosigkeit im 80. Perzentil über einen Zeithorizont von acht Quartalen.
Im Gegensatz zu marktnahen Indizes wie dem NFCI, die erst bei akutem Stress ausschlagen, baut sich der FVI vor Krisen schrittweise auf.
Eine geldpolitische Straffung um 100 Basispunkte senkt den FVI mit deutlicher Verzögerung: Nach zwei Jahren geht der Index um 25 Perzentilpunkte zurück, nach drei Jahren um 35 Punkte.
Verstärker für reale Schocks
Zustandsabhängige Projektionen der Autoren belegen erhebliche Verstärkungseffekte bei hohen FVI-Werten.
Ein negativer Konjunkturschock reduziert die Anlageinvestitionen bei hoher Verwundbarkeit um 4,0 Prozent nach zwei Quartalen und den Konsum um 1,0 Prozent nach einem Jahr.
Zudem schwächt eine hohe Verschuldung des Privatsektors die geldpolitische Transmission ab: Reagiert der PCE-Deflator bei niedrigen Verwundbarkeiten deutlich auf Zinsanhebungen, verpufft der Dämpfungseffekt auf die Preise bei bereits hoch verschuldeten Akteuren weitgehend.
Gute Diagnose, träge Therapie
Der FVI schließt eine Lücke zwischen kurzfristigen Marktstressindikatoren und struktureller Stabilitätsanalyse.
Die empirische Wirkungsverzögerung von mehreren Jahren entlarvt präventive Zinserhöhungen jedoch als träges Steuerungsinstrument.
Für die geldpolitische Praxis bleibt die makroprudenzielle Aufsicht daher erste Wahl.
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