Höhere Unsicherheit versteilt Kreditoberflächen
FED Paper

Höhere Unsicherheit versteilt Kreditoberflächen

Eine neue Fed-Studie von John Geanakoplos und David Rappoport zeigt, dass Unsicherheitsschocks Kreditoberflächen steiler werden lassen. Risikoreiche Kredite mit hoher Beleihungsquote verteuern sich dadurch in Krisenzeiten überproportional stark.

Der überproportionale Preis des Hebels

Die Ökonomen John Geanakoplos und David E. Rappoport analysieren in einer Studie der Federal Reserve die Kreditoberfläche – den Zusammenhang zwischen Beleihungsquote (LTV) und Zinsaufschlag.

Auf Basis von US-Unternehmensanleihen aus den Jahren 1998 bis 2023 mit 11.774 Anleihen von 3.100 Firmen belegen sie, dass diese Kurve konvex verläuft.

Unsicherheitsschocks verschieben die Kreditoberfläche nicht nur nach oben, sondern steilen sie auch systematisch ab.

Dadurch steigen die Risikoprämien für hoch verschuldete Kreditnehmer überproportional.

Mathematisch beweisen die Autoren die Konvexität für elf von zwölf untersuchten Verteilungsfunktionen, etwa der Normal- und Gammaverteilung.

Nur bei der Log-Normalverteilung zeigt sich bei extremer Volatilität eine lokale Ausnahme.

Neue Mathematik für Marktstress

Die Studie führt eine neue stochastische Ordnung ein: die harmonische Ausfallraten-Ordnung auf der dualen Verteilung.

Standardmaße für Risiken wie mittelwerterhaltende Spreizungen greifen zu kurz, da sie die veränderte Wahrscheinlichkeitsstruktur bei Kreditausfällen nicht vollständig abbilden.

Der theoretische Rahmen zeigt zudem einen entscheidenden Unterschied zwischen der Darlehens- und der Versprechens-Kreditoberfläche: Während die Darlehens-Kreditoberfläche (bezogen auf den LTV) bei Unsicherheit über alle Hebelebenen hinweg steiler wird, zeigt die Versprechens-Kreditoberfläche eine höckerförmige Reaktion und flacht bei sehr hohen Versprechen wieder ab.

Ein Leitzins reicht nicht mehr

Die Arbeit liefert ein hochrelevantes theoretisches Fundament für die Wirkungsweise von Finanzkrisen.

Standardmodelle, die Kreditbedingungen auf einen einzigen Leitzins oder einen durchschnittlichen Spread reduzieren, greifen in Stressphasen gefährlich zu kurz.

Zentralbanken müssen künftig die gesamte Kreditoberfläche ins Visier nehmen, um Verschuldungsdynamiken und Liquiditätsengpässe präzise zu steuern.

Quelle: FEDS Paper: Credit Surfaces and Economic Uncertainty

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