US-Firmen überschätzen Persistenz eigener Kosten deutlich
Eine FEDS-Studie von Robert Minton und Hugo Monnery zeigt, dass US-Unternehmen ihre eigenen Kostenprognosen stark an vergangenen Werten ausrichten und makroökonomische Signale vernachlässigen. Dies führt zu einer steileren, weniger vorausschauenden New-Keynesianischen Phillips-Kurve.
Entkoppelte Erwartungen und eigene Kosten
Auf Basis von Umfragedaten der Atlanta Fed (2011–2024) belegen Robert Minton und Hugo Monnery fünf zentrale Fakten über die Erwartungsbildung von US-Unternehmen.
Erstens sind die Prognosen für die eigenen Grenzkosten weitgehend von den VPI-Erwartungen entkoppelt: Informationen zum Verbraucherpreisindex verändern die eigenen Kostenprognosen nur um den Faktor 0,15. Zweitens reagieren Unternehmen systematisch übermäßig auf ihre eigenen vergangenen Kosten, unabhängig von Branche, Firmengröße oder Beobachtungszeitraum.
Drittens zeigen die Erwartungen eine erhebliche Trägheit und berücksichtigen Vorjahreswerte.
Viertens reagieren Firmen erst dann auf öffentliche Signale wie Ölpreisänderungen, wenn diese sich konkret in den eigenen Buchhaltungsdaten niederschlagen.
Die Kalibrierung ergibt ein geringes Gewicht für rationale Erwartungen von 0,25.
Asymmetrische Schocks und begrenzte Bindung
Aus diesen Erwartungsfehlern folgt eine steilere (κAL ≈ 0,5 gegenüber κFIRE ≈ 0,1) und weniger zukunftsorientierte Phillips-Kurve.
Angebotsschocks treiben die Inflation rascher an, während Nachfrageschocks gedämpft werden, da Unternehmen künftige Lohnsteigerungen zu spät antizipieren.
Bei der Geldpolitik wirkt eine kurzfristige Forward Guidance stärker, verliert jedoch auf lange Sicht deutlich an Effekt.
Da Ankündigungen ohne direkte Kostenwirkung kaum greifen, verliert die geldpolitische Selbstbindung der Notenbank ihren Vorteil gegenüber diskretionärem Handeln.
Gefährliche Lücke in Standardmodellen
Die Studie legt offen, dass gängige Neukeynesianische Modelle die reale Preisbildung von Unternehmen verfehlen.
Notenbanken müssen die systematische Überreaktion auf betriebliche Eigenkosten in ihren Modellen berücksichtigen.
Wer reine VPI-Erwartungen als Maßstab nutzt, riskiert erhebliche geldpolitische Fehlentscheidungen.