Hohe Staatsschulden verstärken im Modell Inflationsschwankungen
Steigt die Schuldenquote von 100 auf 175 Prozent des BIP, nimmt die Inflationsvolatilität im Modell um rund 20 Prozent zu. Das zeigen Oliver Pfäuti und Edson Wu in einem am 13. Oktober 2026 veröffentlichten Forschungspapier der Federal Reserve (Fed).
Steuern verändern den Informationsbedarf
Im Forschungspapier 2026-069 bestimmen Unternehmen selbst, welche Informationen sie vor der Preissetzung erwerben.
Höhere Staatsschulden erfordern im Modell höhere Steuern auf Erlöse.
Diese senken die Gewinnverluste durch Fehlpreise, erhöhen aber zugleich die Empfindlichkeit gewünschter Preise gegenüber Steueränderungen.
Daraus entstehen U-förmige Beziehungen zwischen Schuldenquote, Aufmerksamkeit und Inflationsvolatilität; letztere erreicht ihr Minimum bei rund 60 Prozent des BIP.
Bei einem Anstieg der Schuldenquote von 100 auf 175 Prozent steigt die Standardabweichung der Inflation von etwa 1,65 auf 2 Prozent.
Die kumulierte Inflationswirkung von Steuerschocks über vier Jahre verdoppelt sich ungefähr, weil Firmen mehr Aufmerksamkeit auf fiskalische Schocks richten.
Kostenweitergabe steigt mit der Schuldenquote
Die SAFE-Befragung der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Kommission liefert 62.837 Beobachtungen von 35.769 Firmen aus elf Euroländern, vom dritten Quartal 2023 bis zum ersten Quartal 2026.
Die Weitergabe erwarteter Kostensteigerungen in erwartete Preise steigt von 0,218 bei Irlands Schuldenquote von 32,8 Prozent auf 0,318 bei Griechenlands 171,5 Prozent: rund 45 Prozent mehr.
Frankreich fehlt wegen seiner Energiepreisbegrenzung.
Der Zusammenhang ist in allen 40 Robustheitsprüfungen positiv, in 37 auf dem einseitigen 5-Prozent-Niveau statistisch gesichert.
Schuldenabbau ist nicht gleich Preisstabilität
Laut Modell senkt eine schnellere fiskalische Anpassung die Inflationsvolatilität bei niedrigen Schulden, erhöht sie aber bei hohen.
Steuererhöhungen bei größerer Unsicherheit verstärken dort die Inflationsreaktion.
Die Ergebnisse sind vorläufige Forschung der Autoren, keine Position des Fed-Gouverneursrats.