Narbeneffekte vervierfachen Steilheit der Phillips-Kurve
FED Paper

Narbeneffekte vervierfachen Steilheit der Phillips-Kurve

Eine neue Studie der Federal Reserve zeigt, dass Konjunkturschocks langfristige Narben in der Wirtschaft hinterlassen. Das erweiterte Modell korrigiert die Schätzung des natürlichen Arbeitsmarktgleichgewichts und liefert deutlich steilere Phillips-Kurven für die Geldpolitik.

Wenn Konjunkturtiefs den Trend beschädigen

Herkömmliche Trend-Zyklus-Modelle trennen das langfristige Potenzialwachstum strikt von temporären Konjunkturschwankungen.

Die Ökonomen Manuel Gonzalez-Astudillo, Jean-Philippe Laforte und Antoine Lepetit erweitern diesen Ansatz um endogene Narbeneffekte.

Ihre empirische Analyse von US-Daten von 1987 bis 2024 belegt, dass temporäre Schocks nachhaltige Spuren im Produktionspotenzial hinterlassen.

Der Hystereseparameter liegt für das BIP bei 0,58 und für die Arbeitslosigkeit bei 0,47. Da der Konjunkturzyklus von mittelfristiger Persistenz entlastet wird, fällt die geschätzte Zyklusvolatilität deutlich geringer aus.

Zugleich steigt die Steigung der Preis-Phillips-Kurve von 0,09 im Standardmodell auf 0,48, während die Lohn-Phillips-Kurve von -0,15 auf -0,67 steiler wird.

Neubewertung historischer Krisenphasen

Diese methodische Neuausrichtung verändert die Interpretation historischer Belastungsproben grundlegend.

Während der Finanzkrise 2008/2009 führt die Berücksichtigung von Narbeneffekten dazu, dass ein größerer Teil des Einbruchs strukturellen Angebotsfaktoren zugeschrieben wird.

Die natürliche Arbeitslosenquote steigt im Modell auf 7,0 Prozent im Vergleich zu 5,0 Prozent im Benchmark-Modell.

Für die Jahre 2018 und 2019 zeigt das Modell wiederum, dass das zeitgleiche Auftreten von niedriger Inflation und geringer Arbeitslosigkeit auf positive Angebotsschocks zurückging.

Ein notwendiger Paradigmenwechsel

Klassische Schätzungen verkennen oft die dauerhaften Schäden von Wirtschaftskrisen.

Die gezeigte Verknüpfung von Zyklus und Potenzial entlarvt die unzureichende Genauigkeit herkömmlicher Indikatoren.

Für Notenbanken liefert die Arbeit eine unentbehrliche Korrektur zur Bemessung realer Konjunkturlücken.