Reaktionskoeffizienten der Fed bleiben über die Zeit stabil
Konstanz statt Regimewechsel: Eine Untersuchung von Edward Herbst und Karen Page zeigt, dass Taylor-Regeln in US-Prognosepanels kaum zeitvariabel sind. Systematische Zinsbewegungen werden primär durch horizontspezifische Konstanten getrieben, nicht durch veränderte Reaktionskoeffizienten der Fed.
Horizontabhängige Konstanten dominieren
Edward Herbst und Karen Page untersuchen 343 Pooling-Muster für Taylor-Regeln in drei US-Panels: Blue Chip (119.435 Beobachtungen), Survey of Professional Forecasters (7.409 Beobachtungen) und Summary of Economic Projections (1.782 Beobachtungen).
Entgegen bisheriger Annahmen finden die Autoren keine Stützung für stark zeitvariable Reaktionskoeffizienten der Fed.
Die Bayes-Marginal-Likelihoods favorisieren Spezifikationen, bei denen Achsenabschnitte nach Prognosehorizont und Erhebungsdatum variieren.
Reaktionen auf Inflation und Arbeitsmarktlücke bleiben weitgehend stabil; beim SPF steigen die Aktivitätskoeffizienten über den Horizont lediglich von 0,002 auf 0,194, während die Inflation im SEP von -0,102 auf 1,694 anzieht.
Trägheit verdrängt lokale Reaktionsmuster
Auch Erweiterungen um Trägheitsregeln mit 2.401 Modellvarianten und partielles Pooling bestätigen das Ergebnis.
Werden verzögerte Leitzinsen einbezogen, absorbiert die Zinsträgheit den Großteil der Prognosepfad-Variation.
Die direkten Koeffizienten für Inflation und Konjunkturaktivität verlieren dadurch noch weiter an Gewicht.
Klassische Perioden-Regressionen erzielen zwar durch Tausende zusätzliche Parameter eine minimale Verbesserung der In-Sample-Passung, werden im Bayes-Vergleich wegen ihrer Überanpassung jedoch klar verworfen.
Scheinbare Flexibilität entzaubert
Die Autoren entlarven angebliche Wahrnehmungswechsel der Geldpolitik als statistisches Artefakt überparametrisierter Modelle.
Scheinbare Koeffizientensprünge der Fed resultieren primär aus methodischer Überanpassung statt aus realem Verhaltenswandel.
Für die Analyse von Zinserwartungen ist das eine heilsame methodische Zäsur.