Warsh bricht mit Forward Guidance und rügt hohe Inflation
In seiner Rede in Jackson Hole hat Fed-Chef Kevin Warsh eine Abkehr von der Forward Guidance angekündigt und den Fokus auf die Bekämpfung der Teuerung gelegt. Die PCE-Inflation liegt mit 3,7 Prozent weiterhin deutlich über dem Ziel von zwei Prozent.
Abschied vom Spiegelkabinett
Fed-Chef Kevin Warsh nutzte seinen Auftritt in Jackson Hole anlässlich seines 100. Amtstages für eine grundlegende Kritik an der bisherigen Notenbankpraxis.
Er plädierte für ein Ende der regulären Forward Guidance in Normalzeiten, da Vorab-Festlegungen die Handlungsfreiheit einschränkten und ein verzerrtes „Spiegelkabinett“ zwischen Notenbank und Finanzmärkten erzeugten.
Die Verantwortung für „65 Monate anhaltend hoher Inflation“ liege eindeutig bei der Zentralbank.
Mit einer PCE-Rate von 3,7 Prozent im Zwölfmonatsvergleich und 4,1 Prozent über sechs Monate verfehle die Teuerung das Ziel von zwei Prozent weiterhin klar.
Bei 54 Prozent der Waren und Dienstleistungen im PCE-Warenkorb liege der Preisanstieg über drei Prozent.
Robuste Konjunktur und KI-Investitionen
Die US-Wirtschaft zeigt sich laut Warsh in robuster Verfassung.
Die Unternehmensinvestitionen in Ausrüstung und immaterielle Güter stiegen binnen vier Quartalen um rund neun Prozent, maßgeblich angetrieben durch den Ausbau künstlicher Intelligenz.
Zugleich wuchsen die Gewinne der S&P-500-Konzerne um mehr als 20 Prozent, während die Arbeitslosenquote bei stabilen 4,1 Prozent verharrt.
Die Kreditvergabestandards der Banken und enge Risikoaufschläge an den Anleihemärkten deuten zudem auf lockere Finanzierungsbedingungen hin.
Disziplin statt Versprechen
Warshs Absage an die Forward Guidance beendet das jahrelange Mikromanagement der Notenbank.
Investoren werden gezwungen, Risiken wieder eigenständig zu bewerten, statt auf Zinszusagen zu spekulieren.
Bei 3,7 Prozent Inflation ist diese neue Disziplin überfällig, muss sich in der Praxis aber erst beweisen.
Quelle: Warsh, In Our Time
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