Nur vier von 19 Staaten erfüllen Vorgaben für Notliquidität
Nur vier von 19 Mitgliedsstaaten des Finanzstabilitätsrats erfüllen die internationalen Standards für staatliche Liquiditäts-Backstops bei Bankenabwicklungen vollumfänglich. Dies ergab ein am 9. Oktober 2026 veröffentlichter Peer-Review-Bericht des Gremiums.
Skalierbarkeit und Tempo fehlen in der Krise
Fünfzehn Jahre nach Verabschiedung der Abwicklungsstandards weisen zehn von 19 geprüften Rechtsordnungen erhebliche Mängel bei staatlichen Auffangmechanismen auf.
Lediglich Hongkong, Japan, das Vereinigte Königreich und die USA erfüllen die Vorgaben vollständig.
Weniger als die Hälfte der Jurisdiktionen verfügt über Instrumente, die im Krisenfall rechtzeitig Liquidität im erforderlichen Umfang bereitstellen können.
Vorab finanzierte Resolution-Fonds reichen bei systemrelevanten Instituten meist nicht aus.
Zudem fehlen vielerorts verlässliche Verfahren, um Verluste nach einer Inanspruchnahme vom Bankensektor statt vom Steuerzahler zurückzufordern.
Lehren aus den Bankenbeben von 2023
Die Bankenpleiten des Jahres 2023 verdeutlichten das Problem rasanter Mittelabflüsse: Bei digitalen Bank-Runs zogen Kunden binnen eines Tages bis zu 30 Prozent der Einlagen ab.
Ein funktionierender Bail-in stellt zwar rechnerisch die Solvenz wieder her, stoppt aber keine akute Liquiditätskrise.
Wenn private Quellen versiegen, soll der Auffangmechanismus als letzte Instanz greifen.
Ohne vorab vereinbarte staatliche Garantielinien drohen Aufsichtsbehörden erneut unvorbereitete Ad-hoc-Rettungen.
Ein bedrohlicher Papiertiger
Der Befund entlarvt das Versprechen krisenfester Bankenabwicklungen als unvollendet.
Besonders in Europa bleibt das Vertrauen auf begrenzte Branchenfonds bei einem systemischen Schock ein enormes Sicherheitsrisiko.
Ohne skalierbare Liquiditätslinien droht im Ernstfall doch wieder der Griff in die Staatskasse.