KI prägt Wirtschaft: Chancen und Risiken im globalen Wandel
Norges Bank-Gouverneurin Ida Wolden Bache beleuchtet in ihrer Jahresansprache die globale Wirtschaft im Spannungsfeld von geopolitischen Herausforderungen und technologischem Fortschritt. Künstliche Intelligenz prägt dabei sowohl Chancen als auch Risiken für Wachstum und Stabilität.
Widerstandsfähige Wirtschaft trotz Handelskonflikten
Trotz erhöhter US-Zölle auf das Niveau der Zwischenkriegszeit hat sich der befürchtete globale Wirtschaftsabschwung nicht materialisiert.
Dies liegt an Ausnahmeregelungen, Umgehungsstrategien von Unternehmen und der Tatsache, dass der Handelskrieg primär zwischen den USA und China stattfand, mit einer teilweisen Rücknahme der Barrieren.
Chinesische Exporte wuchsen sogar schneller, da geringere US-Verkäufe durch andere Länder kompensiert wurden.
Norwegische Exportunternehmen spüren zwar erhöhten Wettbewerb durch chinesische Firmen, aber die Auswirkungen auf ihre Aktivität blieben gering.
Gleichzeitig stützten andere Faktoren das Wachstum: erhöhte Verteidigungsausgaben in Europa und KI-getriebenes Wachstum in den USA, wo Investitionen in Software, IT und Rechenzentren stark zunahmen.
Der KI-Optimismus befeuerte auch die Aktienmärkte und damit den Konsum.
Auch in Norwegen stieg der Haushaltskonsum, gestützt durch gestiegene Kaufkraft, Lohnwachstum über der Inflation und Zinssenkungen im Vorjahr, die die Schuldendienstkosten reduzierten.
Künstliche Intelligenz: Segen und Fluch
Künstliche Intelligenz stellt einen epochalen Technologiesprung dar, dessen Auswirkungen noch nicht vollständig absehbar sind.
'Das könnte zur Hölle gehen. Oder es könnte wirklich großartig werden,' fasste die Physikerin Inga Strümke die Dualität treffend zusammen.
Einerseits birgt KI Risiken wie autonome Waffensysteme und Desinformation.
Andererseits kann sie Aufgaben schneller lösen, medizinische Forschung vorantreiben und die Entwicklung von Fusionsenergie beschleunigen.
Die potenziellen Produktivitätsgewinne sind jedoch hochgradig unsicher, mit Schätzungen von nahe null bis acht Prozentpunkten jährlich.
Norwegen ist laut IWF gut positioniert, um von KI zu profitieren, dank wissensintensiver Dienstleistungsbranchen und hoher Lohnniveaus.
Institutionen am Scheideweg
Die Auswirkungen von KI auf Arbeitsmarkt und Zinspolitik bleiben hochgradig ungewiss, da Produktivitätsgewinne kurzfristig die Inflation dämpfen, langfristig aber auch Zinsen erhöhen könnten.
Obwohl KI neue Fähigkeiten erfordert und Arbeitsmärkte umgestaltet, sind ihre Spuren in den Arbeitsmarktzahlen noch nicht eindeutig sichtbar.
Entscheidend wird sein, ob Institutionen schnell genug adaptieren, um die Vorteile breit zu verteilen und negative Folgen zu minimieren.
Quelle: Economic perspectives
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