Makro-News erklären bis zu 80 Prozent der Wechselkursdynamik
NORGES Studie

Makro-News erklären bis zu 80 Prozent der Wech­sel­kurs­dy­na­mik

Relative Inflations- und Zinsüberraschungen bestimmen 70 bis 80 Prozent der Wechselkursvarianz bei EUR/NOK und 60 bis 70 Prozent bei USD/EUR. Eine Studie von drei Norges-Bank-Ökonomen belegt die unmittelbare Preisanpassung innerhalb der ersten Handelsminuten nach Datenveröffentlichungen.

Preisfindung in Minutenschnelle

Die Autoren Karsten Gerdrup, Kristoffer Hallerud und Nicolò Maffei-Faccioli untersuchen anhand von Hochfrequenzdaten aus den Jahren 1999 bis 2025 die Reaktion von Devisenkursen auf makroökonomische Veröffentlichungen in Norwegen, dem Euroraum und den USA.

Mittels eines Proxy-SVAR-Modells isolieren sie relative Inflations- und Geldpolitikschocks.

Bei EUR/NOK erklären die beiden Faktoren zusammen 70 bis 80 Prozent der Prognosefehlervarianz über Zeithorizonte von bis zu 24 Monaten, bei USD/EUR sind es 60 bis 70 Prozent.

Die Wechselkursanpassung erfolgt unmittelbar bei Veröffentlichung und spiegelt veränderte Erwartungen an die zweijährigen Zinsdifferenzen wider.

Inflationsüberraschungen wirken dabei ähnlich stark wie Zinsentscheide und dominieren insbesondere die kurzfristigen Kursbewegungen.

Auflösung des Wech­sel­kurs­rät­sels

Empirisch galt der Zusammenhang zwischen Wechselkursen und makroökonomischen Fundamentaldaten oft als schwach oder instabil – ein Phänomen, das in der Literatur als UIP-Rätsel bekannt ist.

Die Autoren lösen diese Diskrepanz auf, indem sie Ereignisfenster um VPI- und Notenbanktermine nutzen.

Verschiedene Robustheitstests bestätigen die Ergebnisse: Sowohl engere 30-Minuten-Fenster als auch Zinsdifferenzen am Einjahresmarkt oder reine Konsensprognosefehler belegen den starken Erklärungswert der relativen Nachrichten für die Währungsentwicklung kleiner wie großer Volkswirtschaften.

Schluss mit dem Kausalitätsmythos

Die Studie widerlegt die These einer Entkoppelung von Wechselkursen und Makrodaten überzeugend.

Dass Inflationsdaten fast genauso stark wirken wie Zinsbeschlüsse, entlarvt eine reine Notenbankfokussierung als blind.

Für Marktteilnehmer ist die bilaterale Betrachtung von Datenüberraschungen künftig unverzichtbar.

Quelle: Macroeconomic news and exchange rate dynamics

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