ASX verfehlt Standards bei Governance und Risikomanagement
Die Reserve Bank of Australia stellt in ihrem Jahresbericht 2026 anhaltende Defizite bei den Clearing- und Abwicklungsfazilitäten der ASX fest. Trotz Fortschritten beim CHESS-System erfüllen die Einrichtungen zentrale Standards zu Governance und Risikomanagement nur teilweise.
CHESS-Nachbesserung überdeckt Grundsatzmängel nicht
Die australische Notenbank bewertet die Clearing- und Settlement-Einrichtungen der ASX in ihrem Bericht vom September 2026 zwar in vielen Bereichen als regelkonform, rügt jedoch erhebliche Lücken.
Bei den Standards zu Governance, umfassendem Risikomanagement, Kreditrisiko sowie operationellem Risiko erreichen einzelne Fazilitäten lediglich die Einstufung ‚teilweise erfüllt‘.
Immerhin hob die RBA die Bewertung für ASX Clear und ASX Settlement beim operationellen Risiko von ‚nicht erfüllt‘ auf ‚teilweise erfüllt‘ an.
Anlass dafür waren personelle Aufstockungen und Notfallvorkehrungen beim CHESS-System nach einer Störung der Batch-Abwicklung im Dezember 2024. „ASX durchläuft eine Phase substanzieller organisatorischer Veränderungen“, betonte RBA-Direktor Brad Jones.
Transformationsprogramm unter strenger Aufsicht
Zur Bewältigung der chronischen Schwachstellen bei Führung, Unternehmenskultur und Risikokontrolle hat die ASX ein Transformationsportfolio aufgesetzt.
Die Aufsicht über die vier systemrelevanten Einheiten – ASX Clear, ASX Clear Futures, ASX Settlement und Austraclear – obliegt der RBA in enger Kooperation mit der Wertpapieraufsicht ASIC.
Zwar erkennt die Notenbank die Modernisierungsschritte an, stellt aber klar, dass isolierte Nachbesserungen bei CHESS noch kein Beleg für eine breite Risikokontrolle sind.
Kosmetik statt echter Wende
Die Hochstufung bei CHESS ist nur ein kosmetischer Teilerfolg nach jahrelangen Pannen.
Dass Governance und Risikomanagement weiterhin durchfallen, offenbart die Trägheit des Börsenbetreibers.
Ohne echten Kulturwandel bleibt die ASX ein permanenter Risikofaktor für Australiens Finanzsystem.