Arbeitsmarktreformen verhindern Lohn-Preis-Spirale in Australien
Ein Mitglied des geldpolitischen Rats der RBA sieht keine Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale in Australien. Strukturelle Veränderungen wie dreijährige Tarifverträge, gesunkene Gewerkschaftsquoten und verankerte Inflationserwartungen dämpfen die Übertragung von Schocks deutlich.
Reformierte Tarifverträge als Schockabsorber
Die Furcht vor einer Lohn-Preis-Spirale wie in den 1970er-Jahren ist unbegründet.
Damals trieben das Prinzip der „vergleichenden Lohngerechtigkeit“ und automatische Indexierungen die Inflation von 3 auf über 16 Prozent, während die Löhne 1974 um 25 Prozent stiegen.
Das heutige System setzt dagegen auf Unternehmensabkommen mit durchschnittlich drei Jahren Laufzeit, während derer Streiks gesetzlich untersagt sind.
Zudem werden Abschlüsse zeitlich gestaffelt verhandelt: Pro Quartal treten im Schnitt nur rund 10 Prozent der Beschäftigten in neue Vereinbarungen ein.
Zusammen mit dem Rückgang des gewerkschaftlichen Organisationsgrads von über 50 Prozent auf 13 Prozent bremst dies die Ausbreitung von Lohndruck.
Abkühlung am Arbeitsmarkt und Produktivitätsgrenzen
Auch die aktuellen Wirtschaftsdaten stützen die Entwarnung: Die Arbeitslosenquote stieg im Juli auf 4,5 Prozent gegenüber 4,2 Prozent im Vorjahr, was auf eine allmähliche Entspannung der Kapazitäten hinweist.
Die RBA-Projektionen erwarten eine schrittweise Beruhigung des Arbeitskostenwachstums, sodass die Teuerung Anfang 2028 wieder den Mittelwert des Zielbands erreicht.
Zudem betont die Analyse die zentrale Rolle der Produktivität, die seit Einführung des Inflationsziels um durchschnittlich 1 Prozent jährlich zulegte.
Solide Entwarnung mit institutionellem Fundament
Die Argumentation überzeugt durch die präzise Gegenüberstellung historischer und moderner Arbeitsmarktinstitutionen.
Wer heute noch reflexartig vor einer 70er-Jahre-Spirale warnt, ignoriert die fundamentale Entmachtung der damaligen Transmissionskanäle.
Für die Geldpolitik bedeutet dies willkommene Beinfreiheit ohne überzogenen Straffungsdruck.