Entdollarisierung bringt Schwellenländern keine Autonomie
SARB Studie

Entdollarisierung bringt Schwellenländern keine Autonomie

Eine Abkehr vom US-Dollar löst weder Instabilität noch schafft sie neue geldpolitische Autonomie für Schwellenländer. Ökonomen der südafrikanischen Notenbank warnen, dass eine geopolitische Fragmentierung die Refinanzierungskosten spürbar verteuert.

Netzwerkeffekte stützen die Leitwährung

Trotz geopolitischer Spannungen bleibt die Vormachtstellung des US-Dollars im globalen Finanzsystem strukturell verankert.

Zwar sank der Dollar-Anteil an den weltweiten Währungsreserven von über 70 Prozent Anfang der 2000er Jahre auf rund 57 Prozent Ende 2025, doch dominieren US-Dollar-Verbindlichkeiten weiterhin den internationalen Handel und die Kreditaufnahme von Schwellenländern.

Die Autoren Chris Loewald und Manisha Morar betonen, dass Alternativen wie eine BRICS-Gemeinschaftswährung an fundamentalen ökonomischen Hürden scheitern.

Die Volatilität zwischen den BRICS-Währungspaaren liege meist über jener zum Dollar.

Zudem stützen dollar-gedeckte Stablecoins als „digitale Eurodollar“ die globale Nachfrage nach US-Staatsanleihen zusätzlich.

Geopolitische Distanz treibt Risikoprämien

Die globale Finanzfragmentierung verändert die Kapitalströme grundlegend: Investoren preisen zunehmend politische Übereinstimmung statt reiner Fundamentaldaten ein.

Für Südafrika entsteht dadurch eine heikle Lage.

Das Land weist zwar dank überwiegend in Rand begebener Staatsanleihen nur geringe Währungsrisiken auf, doch 81 Prozent seiner Portfolioverbindlichkeiten entfallen auf Investoren aus den USA und Westeuropa.

Ziehen sich diese Kapitalgeber infolge geopolitischer Risse zurück, drohen steigende Refinanzierungskosten und höhere Volatilität.

Falsche Diagnose, falsche Therapie

Die Debatte um eine Entdollarisierung lenkt von den eigentlichen Problemen der Schwellenländer ab.

Nicht die Leitwährung beschneidet ihren Spielraum, sondern die ineffiziente Nutzung von Kapital für Konsum statt Investitionen.

Wer echte Souveränität sucht, muss Institutionen stärken, statt währungspolitischen Illusionen nachzujagen.

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