Klimaschocks treffen Vorstufen, verschonen aber Kerninflation
Extreme Wetterereignisse treiben kurzfristig vor allem Nahrungsmittel- und Energiepreise, schlagen jedoch kaum auf die Kerninflation durch. Zu diesem Ergebnis kommt eine globale Studie der South African Reserve Bank auf Basis von Daten aus 65 Ländern zwischen 2000 und 2024.
Dürre und Hitzewellen wirken asymmetrisch
Die empirische Untersuchung von 65 Ländern zeigt, dass meteorologische Anomalien primär vorgelagerte Sektoren wie Agrarwirtschaft, Energie und Transport belasten.
Trockenheit und extreme Kälte treiben Energie- und Lebensmittelpreise rasch nach oben, während Dienstleistungen und die Kerninflation weitgehend unberührt bleiben.
Die Effekte skalieren stark nicht-linear: Bei extremen Abweichungen von drei Standardabweichungen steigen Lebensmittel- und Energiepreise um bis zu 5,0 Prozent.
Besonders verheerend wirken kombinierte Schocks aus Hitze und Dürre, wie die Analyse für Südafrika belegt.
Zudem dämpfen verankerte Inflationserwartungen in Ländern mit explizitem Inflationsziel die Zweitrundeneffekte signifikant ab.
Das Dilemma der geldpolitischen Reaktion
Klassische Zinserhöhungen gegen angebotsseitige Klimaschocks bergen das Risiko, Wachstumsverluste zu vertiefen, ohne die physischen Ursachen der Verknappung zu beheben.
Die Autoren raten Notenbanken daher im Regelfall zum Durchschauen temporärer Schübe.
Erst wenn wiederholte Preisschocks die Erwartungen der Haushalte destabilisieren, sei ein Eingreifen geboten.
Notwendig sei vor allem eine enge Verzahnung von Geldpolitik mit fiskalischen Anpassungsmaßnahmen.
Zinsen heilen keine Dürren
Pauschale Zinsschritte erweisen sich als stumpfes Schwert gegen wetterbedingte Preissprünge.
Notenbanken dürfen temporäre Angebotsschocks keinesfalls mit Nachfrageüberhitzung verwechseln.
Für die Praxis bedeutet das: Solange Erwartungen stabil bleiben, ist geldpolitische Gelassenheit das beste Rezept.