Ölschock treibt Preise weniger breit als 2022
Sechs Forschungsbeiträge der südafrikanischen Zentralbank zeigen, wie der Ölschock auf Preise, Erwartungen und Löhne durchschlägt. Trotz höherer Energiekosten steigen Preise bislang weniger breit als 2022; anhaltende Belastungen erhöhen laut Autoren die Zweitrundenrisiken.
Größerer Schock, begrenztere Streuung
Der Sonderband der Südafrikanischen Reservebank (SARB) untersucht den Ölpreisschock infolge des Nahostkriegs 2026.
Brent verteuerte sich von durchschnittlich 67 Dollar je Barrel im Januar auf 138 Dollar Anfang April; im September lag der Durchschnitt bei 102 Dollar.
Eine Auswertung von 389 Verbraucherpreispositionen ohne Benzin und Diesel zeigt: In sechs Monaten stiegen die gewichteten Preise um 2,4 Prozent, gegenüber 4,3 Prozent nach dem Schock 2022.
Preissteigerungen verzeichneten 75 statt 86 Prozent der Positionen; 48 statt 63 Prozent überschritten das jeweilige Zieltempo.
Ein stabilerer Rand und geringerer Nahrungsmittelpreisdruck begrenzten die Übertragung.
Dienstleistungen verteuerten sich dennoch um 2,9 Prozent, nach 2,7 Prozent 2022.
Dauer belastet Erwartungen und Löhne
Bei einem anhaltenden Kraftstoffpreisanstieg um 30 Prozent erhöhen sich modelliert die Zweijahres-Inflationserwartungen der Firmen um bis zu 0,65 Prozentpunkte, bei einem einmaligen Schock um 0,15 Punkte.
Der isolierte Erwartungskanal hebt die Inflation um bis zu 0,5 statt 0,12 Punkte.
Ein Ölschock von 40 Prozent erhöht fünfjährige Breakeven-Raten im Monatsmodell um rund 48 Basispunkte; zehnjährige reagieren schwächer.
Das tatsächliche Lohnwachstum reagiert erst nach einem Quartal und steigt nach zwei Quartalen um etwa 1,5 Prozentpunkte; Lohnerwartungen reagieren sofort.
Keine Entwarnung durch geringere Breite
Die Autoren betonen, dass Zweitrundeneffekte verzögert auftreten und seit etwa 2017 schwächer ausfallen.
Die geringere Preisstreuung nach sechs Monaten schließt spätere Risiken daher nicht aus.
Die Beiträge vertreten Autorenpositionen, keine SARB-Politik; deskriptive Vergleiche liefern zudem keine kausalen Übertragungsschätzungen.