Güterpreise erklären zwei Drittel des Schweizer Inflationsvorteils
SNB Studie

Güterpreise erklären zwei Drittel des Schweizer In­fla­ti­ons­vor­teils

Die Teuerung in der Schweiz lag in den vergangenen 15 Jahren im Schnitt um 1,8 Prozentpunkte unter der des Euroraums. Laut einer SNB-Analyse erklären geringere Preissteigerungen bei Gütern wie Nahrungsmitteln und Energie zwei Drittel dieses Abstandes, nicht abweichende Konsumgewohnheiten.

Stabile Güterpreise gegen Teuerungsschub

Zwischen 2010 und 2025 lag die durchschnittliche Schweizer Inflation gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex bei 0,4 Prozent – 1,8 Prozentpunkte unter dem Euroraum-Schnitt von 2,2 Prozent.

Selbst gegenüber Niedriginflationsländern wie Irland (1,5 Prozent) betrug der Abstand 1,1 Prozentpunkte, zu Estland (4,2 Prozent) sogar 3,8 Prozentpunkte.

Auf dem Höhepunkt der Teuerungswelle 2022 wuchs die Lücke auf über 7,0 Prozentpunkte an.

Den Ausschlag gaben primär Waren: Während Güterpreise im Euroraum seit 2010 um 44 Prozent kletterten, stagnierten sie in der Schweiz.

Die Güterinflation fiel um 2,2 Prozentpunkte niedriger aus, bei Dienstleistungen betrug die Differenz 1,5 Prozentpunkte.

Da Schweizer Haushalte die Hälfte aller Waren importieren, federten Importeffekte den Preisdruck ab.

Preise schlagen Warenkorbgewichte

Nahrungsmittel und Verkehr trugen mit je rund 20 Prozent am stärksten zur Inflationsdifferenz bei, gefolgt von Gastronomie, Wohnen und Energie mit je etwa 10 Prozent.

In der Phase von 2021 bis 2023 entfiel allein ein Viertel des Abstands auf Energie.

Eine kontrafaktische Analyse belegt die Ursachen: Hätten Schweizer Haushalte zu Schweizer Preisen mit den Warenkorbgewichten des Euroraums konsumiert, wäre die Teuerung fast identisch zur realen Schweizer Quote geblieben.

Umgekehrt spiegeln Euroraum-Preise mit Schweizer Gewichten die europäische Inflationsrate wider.

Franken schützt vor Teuerungswelle

Das Ergebnis widerlegt die Annahme, Schweizer Niedriginflation beruhe nur auf abweichenden Konsummustern.

Tatsächlich federn geringere Preisanstiege bei Importgütern externe Schocks maßgeblich ab.

Für die Notenbank bestätigt dies die Wirksamkeit des Wechselkurses als robuster Inflationspuffer.

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