SCION und SSFN schützen Finanzinfrastruktur vor Routing-Angriffen
SNB Studie

SCION und SSFN schützen Fi­nanz­in­fra­s­truk­tur vor Routing-Angriffen

Über 100 Finanzinstitute nutzen im Schweizer Zahlungsverkehr bereits das Secure Swiss Finance Network. Eine SNB-Studie von William Boye und Thomas Moser analysiert, wie die an der ETH Zürich entwickelte SCION-Technologie kritische Finanzinfrastrukturen vor Routing-Angriffen schützt.

Kryptografische Pfade statt BGP-Blindflug

Herkömmliches Internet-Routing über das Border Gateway Protocol (BGP) birgt erhebliche Sicherheitsrisiken durch fehlerhafte Weiterleitungen und BGP-Hijacking.

Die an der ETH Zürich entwickelte Netzwerkarchitektur SCION setzt dem kryptografisch authentifizierte Pfade entgegen.

Anstelle unkontrollierter Routen wählen Sender autorisierte Pfadsegmente gezielt aus und können bei Störungen sofort auf parallele Strecken umschalten.

Im Schweizer Zahlungsverkehr Swiss Interbank Clearing (SIC) löste das auf SCION basierende Secure Swiss Finance Network (SSFN) Ende September 2024 das bisherige Netz Finance IPNet vollständig ab.

Das von SNB und SIX betriebene System isoliert den Datenverkehr vom öffentlichen Internet.

Schutzwall für Blockchains und Banken

Zentrales Konstrukt sind sogenannte Isolation Domains: SIX vergibt Teilnehmerzertifikate, während mehrere Telekom-Anbieter parallele Anbindungen bereitstellen.

Der Ansatz greift auch über traditionelle Systeme hinaus.

Simulationen von Cimaszewski et al. für Blockchain-Zahlungsnetzwerke zeigen: Bei Routing-Angriffen fallen ohne SCION über 80 Prozent der Transaktionsbestätigungen aus.

Sichern Validatoren mit mehr als zwei Dritteln des Stakes ihre Verbindungen über SCION ab, sinkt die Erfolgsquote von Angriffen auf null.

Resilienz endet nicht an der Applikation

Das Schweizer Modell beweist, dass wirksame Cyber-Resilienz zwingend auf der Netzwerkebene ansetzen muss.

Ausgefeilte Anwendungssicherheit verpufft, sobald Angreifer die darunterliegenden Routing-Pfade manipulieren oder kappen können.

Ohne internationale Nachahmer bleibt die Technologie jedoch eine eidgenössische Insellösung.

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