Zinserhöhungen dämpfen Erwartungen, Zinssenkungen verpuffen
Schweizer Haushalte passen ihre Inflationserwartungen nach Zinsentscheiden asymmetrisch an: Zinserhöhungen und Pausen senken die kurzfristigen Preiserwartungen um 0,5 Prozentpunkte, während Zinssenkungen wirkungslos bleiben. Das belegt eine Studie der Schweizerischen Nationalbank.
Asymmetrie im Transmissionskanal
Die Ökonomen Alexander Goetz, Lucas Kyriacou, Florence Miguet Heimlicher und Stefanie Siegrist untersuchten anhand täglicher Umfragedaten von Januar 2023 bis Juli 2025 die Reaktion auf zehn Zinsentscheide.
Nach Zinserhöhungen oder Zinspausen korrigierten Haushalte ihre Ein-Jahres-Inflationserwartungen um durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte nach unten.
Bei Zinssenkungen blieb eine signifikante Anpassung hingegen vollständig aus.
Dieser Dämpfungseffekt zeigt sich besonders robust bei kurzfristigen Erwartungen, während die Fünf-Jahres-Erwartungen deutlich träger reagieren.
Bei antizipierten Zinsschritten funktionierte die Steuerung wie beabsichtigt, während überraschende Zinsentscheide von den Befragten primär als Informationssignal über veränderten Inflationsdruck gedeutet wurden.
Sprachgrenzen und Bildungskluft
Die Wirkung geldpolitischer Signale verteilt sich höchst ungleich auf die Bevölkerung.
Der Gesamteffekt wird fast ausschließlich von Deutschschweizern und Personen mit tertiärem Bildungsabschluss getragen.
Französisch- und italienischsprachige Haushalte sowie Personen mit geringerer formaler Bildung passten ihre Erwartungen nach Zinsentscheiden statistisch nicht messbar an.
Die Autoren führen dies auf Unterschiede in der regionalen Medienberichterstattung sowie abweichende Informationsgewohnheiten zurück.
Kommunikation erreicht nur Eliten
Die Studie deckt eine gravierende Schwachstelle der Transmission auf.
Wenn Zinssenkungen bei Verbrauchern verpuffen und Sprachminderheiten nicht erreicht werden, greift die klassische Kommunikation zu kurz.
Notenbanken müssen ihre Formate diversifizieren, statt sich allein auf traditionelle Medien zu verlassen.