Tuominen: Finanzkonglomerate vor komplexen Risiken
Anneli Tuominen, Mitglied des EZB-Aufsichtsrats, warnt vor den komplexen Risiken für Finanzkonglomerate. Deren Geschäftsmodelle verstärken traditionelle und neue Bedrohungen.
Der Nebel des Krieges im Finanzsektor
Anneli Tuominen beschreibt eine signifikant komplexere Risikolandschaft für Banken, die durch drei Faktoren angetrieben wird.
Erstens bestehen traditionelle Herausforderungen wie Kredit-, Markt- und Gegenparteirisiken sowie Governance-Mängel.
Zweitens treten nicht-traditionelle Risiken wie Cybersicherheit, Digitalisierung, der Nichtbanken-Finanzsektor und geopolitische Instabilität verstärkt auf, wobei ehemals unwahrscheinliche Szenarien nun zur Basislinie gehören.
Drittens müssen Banken die Wechselwirkungen zwischen diesen Risikotypen berücksichtigen, etwa wie geopolitische Spannungen andere Risiken wie Kredit- und Marktrisiken beeinflussen können.
Diese erhöhte Komplexität erfordert einen Fokus auf ein breiteres Spektrum an Risiken und deren vielfältige Materialisierungskanäle, was Tuominen als 'Nebel des Krieges' im Banken- und Finanzwesen bezeichnet.
Konglomerate: Mehr als die Summe ihrer Teile
Finanzkonglomerate unterscheiden sich von Einzelbanken durch ihre diversifizierten Geschäftsmodelle.
Sie begegnen neben Kreditrisiken auch Zeichnungsrisiken aus Versicherungsbewertungen, wobei Liquiditätsrisiken im Versicherungsgeschäft moderater sind.
Konglomerate profitieren von stabileren Einnahmen und Synergien, etwa durch den Doppelverkauf von Bank- und Versicherungsprodukten.
Jedoch bergen sie Risiken der doppelten Kapitalanrechnung ('Double-Gearing'), die der Basler Rahmen und die EU-Kapitalverordnung adressieren.
Der sogenannte 'Dänische Kompromiss' kann hier eine direktere Übertragung von Versicherungsmarktbewegungen auf die regulatorischen Kapitalmetriken bewirken.
Die ergänzende Aufsicht ist daher entscheidend, um die Kapitaleignung der Gruppe als Ganzes sicherzustellen und Reputationsrisiken durch gruppeninterne Ansteckung zu minimieren.
Komplexität fordert robuste Führung
Operationelle Risiken, insbesondere Cyber- und KI-Risiken, sind für Finanzkonglomerate aufgrund ihrer dualen Risikoprofile und vernetzten Arbeitsabläufe verstärkt.
Auch der Nichtbanken-Finanzsektor stellt durch doppelseitige Exposition komplexere Herausforderungen dar.
Trotz erhöhter Vulnerabilität unterliegen Konglomerate einer strengeren regulatorischen Prüfung, was eine Stärkung der Governance-Rahmenwerke erfordert.